Der alte Mann und das Wirtshaus

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Michel sitzt einen großen Teil dieses Buches in seinem spärlich besuchten Wirtshaus, das die beste Zeit hinter sich hat. Die Fliegen summen, die Uhr tickt, der Kühlschrank brummt. Im Laufe des Tages kommen immer mal wieder Stammgäste vorbei, manchmal zapft Michel sich auch allein ein Bier und sitzt im Düsteren.

Das klingt erstmal langweilig, ist es aber überhaupt nicht! So toll schildert Tommie Goertz die Atmosphäre, das Sommergewitter, die stille Stube. Es ist, als sitze man selbst in einer alten Dorfkneipe und höre den alten Männern beim Gespräch zu. Oder beim gemeinsamen Schweigen, das gar nicht unangenehm ist.

Ungewöhnlich finde ich am Protagonisten, dass Michel so empfindsam ist und dies auch zeigt. Zögerlich bisweilen, aber dann doch recht offen teilt er seine Ängste vorm Gewitter und Erinnerungen an die harte Kindheit mit der Zugezogenen Liz, der einzigen Frau, die regelmäßig den „Baum“ besucht.

Die Handlung des Buches erstreckt sich nur über ein paar Tage, in den kaum etwas passiert und dann doch wieder ziemlich viel, vor allem in Michels Innerem. Während er sich erinnert, wird sein Leben hinterfragt. Das geschieht mit wenigen Worten, die aber „sitzen“ und dennoch den Lesenden Raum für eigene Gedanken lassen.

Schließlich passiert doch noch etwas, ein Fest wird gefeiert, ein Besucher taucht auf. Am Ende kann sich jede*r selbst beantworten: Ist Michel glücklich? Hatte er ein erfülltes Leben? Hat „Der Baum“ eigentlich ein gutes oder ein tragisches Ende?

Ein berührendes Buch, das mit einfachen Worten große Stimmungsbilder malt und nachdenklich zurücklässt.