Ein Leben

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dajobama Avatar

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Der Baum – Tommie Goerz
Leider ist dies der letzte Roman des kurz nach Fertigstellung verstorbenen Autors Tommie Goerz.
Der alte Michel hat sein Leben dem Familienwirtshaus „Der Baum“ gewidmet, indem er es in vierter Generation jahrzehntelang alleine weitergeführt hat. Oft sitzt er nun in seiner Gaststube und lässt die Vergangenheit Revue passieren. Er denkt daran, was dieser Ort für die Dorfbewohner bedeutet hat und für einige wenige, die noch kommen, immer noch ist. Doch er denkt auch daran, dass er selbst dieses Leben und dieses Wirtshaus eigentlich nie haben wollte. Was er alles aufgegeben hat dafür, was alles möglich gewesen wäre, was jetzt noch übrig ist vom Leben. Es ist ein traurig-melancholischer Rückblick eines einsamen Mannes, der als Junge das Glück gesucht, es aber nie gefunden hat.
Tommie Goerz hatte das unglaubliche Talent mit wenigen Worten eine ganze Welt entstehen zu lassen. Das Leben auf dem Dorf, das heruntergekommene Wirtshaus, wie aus der Zeit gefallen, die Atmosphäre und die Gerüche. Besonders die wortkargen Gespräche der alten Männer, oder auch die kriegsversehrten Veteranen seinen Kindheit – es braucht nur ganz wenige Worte und der Leser hat die Bilder vor Augen. Auch hier wieder ein sehr authentisches Bild einer Dorfgemeinschaft – mit den positiven wie den negativen Seiten. Eine Rückschau auf ein Leben und verpasste Chancen, auf ein Miteinander mit schrulligen Gästen und tragische Schicksalsschläge. Beeindruckend ist Goerz‘ ganz spezielles geradezu liebevolles Einfühlungsvermögen, mit dem er vom einfachen Leben auf dem Dorf und dessen Bewohnern erzählt.
Ein sehr leises und nachdenkliches Buch, mit kaum Handlung in der Gegenwart, das dennoch in weniger als 200 Seiten eine intensive Atmosphäre zaubert und sicherlich lange im Gedächtnis bleibt.
Wunderbar! 5 Sterne