Ein Leben im Wirtshaus

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Ich hatte schon so viel Gutes über die beiden Romane Im Schnee und Im Tal von Tommie Goerz gelesen, dass ich mich sehr gefreut habe, dieses Buch von Vorablesen zu bekommen und lesen zu dürfen.
Genau genommen ist es eher ein Kammerspiel, denn die gesamte Handlung findet im Wirtshaus „Baum“ statt. Das ist das Wirtshaus von Michael Gruber und vor ihm hat es schon seinem Vater, dessen Vater und dessen Vater gehört. Michel wollte dieses Leben nicht, er war nach einem weiteren demütigenden Gewaltakt des Vaters als junger Mann abgehauen, aber dann doch zurückgekehrt. Und auch nach dem Tod des Vaters hatte er noch mal versucht, dem Wirtshaus zu entkommen. Wieder vergeblich.

Warum das so war und wie das überhaupt so alles war im Leben von Michel, seiner Familie und den Großeltern, davon erzählt Tommie Goerz posthum in einer schnörkellosen Sprache und ruhiger Erzählweise. Er lässt die oft düsteren Erinnerungen von Michel in Rückblenden wieder lebendig werden und die Stimmungen durch das Wirtshaus wabern. Mir hat diese dichte Atmosphäre unheimlich gut gefallen. Vieles ahnt man, vieles bleibt lange unausgesprochen und doch ist klar, dass es nichts Gutes sein kann.

Dabei ist Michel im Rückblick nicht unzufrieden: „Ich hab den Ort lebendig gehalten.“ Damit meint er das kleine Dorf mit seinen Alten, die immer noch zu ihm kommen, manche täglich. Früher war es, wie in vielen Dörfern wahrscheinlich, eine seltsam eingeschworene Gemeinschaft, die vorm Zeitalters des Fernsehens zusammen im Wirtshaus hockten und tranken. Und dabei ihre Angelegenheiten regelten.
So füllen die Geschichten und Erinnerungen dieses dünne Buch, indem die eine Geschichte Anlass für die nächste ist undsoweiter.
Besonders schön fand ich die Geschichte vom alten Tisch, der seit der Gründung vom Urgroßvater, im Wirtshaus steht. Aber lest es selbst!
Wenn ihre ruhige, dahinfliessende Geschichten mögt, wird euch der Roman gefallen .
Ich empfehle ihn sehr gerne weiter.