Ein Leben wie ein Baum...
Tommie Goerz schreibt in "Der Baum" über den Gruber Michel, den alten Wirt des Wirtshauses mit demselben Namen wie das Buch. Dieses Wirtshaus wird im Verlauf des Buchs nur in Erinnerungen verlassen, in der Gegenwart bewegt sich der Gruber Michel allenfalls aus der Gaststube in seine Kammer im Obergeschoss oder die ehemalige Kammer seines Opas, denn der Gruber Michel und seine Familie leben seit eh und je in diesem Haus. Das Wirtshaus verdankt seinen Namen einer riesigen, im Sturm vom Blitz gefällten Kirsche, aus deren Holz der massive Tisch gebaut ist, um den jahrein, jahraus, die Männer des kleinen Ortes Tage und Nächte verbringen, streiten, lachen, diskutieren, Witze reißen oder auch einfach nur sitzen und Bier nach Bier in sich hineinkippen. Er ist nun der letzte der Familie, der letzte Betreiber des Baums. In der Gegenwart ist es ruhig geworden im Baum, es sind nur noch wenige der Stammgäste noch am Leben und trudeln über den Tag vereinzelt im Baum auf ein Bier ein. Auf eine Weise ist der Michel selbst über die Jahre zum Baum geworden:
"Wo er steht, muss er stehen. Da muss er wachsen, an diesem Ort – oder eingehen und sterben. Er kann nicht weg."
Es geht in ziemlich kondensierter Form um die großen Fragen des Lebens: Was macht ein gelungenes Leben aus? Wie geht man damit um, wenn einem das Leben passiert, und man den Eindruck hat, man kann nichts tun, außer sich dem zu fügen und zu akzeptieren, dass es ist, wie es ist?
Das Buch ist mit seinen 150 Seiten ziemlich kurz, gleichzeitig ist es trotz einfacher Sprache auch dicht und füllt ein ganzes, langes Leben. Es lässt sich schnell "weglesen" und hat gleichzeitig das Potential, einen noch lang zu begleiten. Nur eins hat mich gestört: Tommie Goerz zeichnet das Bild eines sehr wortkargen, eigenwilligen und einzelgängerischen alten Mannes, der dann trotzdem überraschend leicht und wortgewandt von Episoden seiner Vergangenheit berichtet. Manchmal schlägt die Stimme des Mannes so abrupt um, dass ich beim Lesen irritiert und wie aus der Geschichte rausgeworfen war. Das konnte ich ihm nicht abkaufen, ich habe mehrmals gedacht, dass ich nicht glaube, dass dieser Mann das so gesagt hat. In dem Wissen, dass das Buch noch in der Überarbeitung steckte und noch nicht druckfertig vorlag, als Tommie Goerz starb, kann es natürlich sein, dass genau das noch überarbeitet werden sollte. Vielleicht liegt dem aber auch etwas zugrunde, was ich noch nicht verstanden habe. Insgesamt habe ich es gern gelesen, es war aber für mich nicht weltbewegend und die Unstimmigkeiten im Charakter haben mich unschlüssig hinterlassen, daher 3,5/5 Sternen.
"Wo er steht, muss er stehen. Da muss er wachsen, an diesem Ort – oder eingehen und sterben. Er kann nicht weg."
Es geht in ziemlich kondensierter Form um die großen Fragen des Lebens: Was macht ein gelungenes Leben aus? Wie geht man damit um, wenn einem das Leben passiert, und man den Eindruck hat, man kann nichts tun, außer sich dem zu fügen und zu akzeptieren, dass es ist, wie es ist?
Das Buch ist mit seinen 150 Seiten ziemlich kurz, gleichzeitig ist es trotz einfacher Sprache auch dicht und füllt ein ganzes, langes Leben. Es lässt sich schnell "weglesen" und hat gleichzeitig das Potential, einen noch lang zu begleiten. Nur eins hat mich gestört: Tommie Goerz zeichnet das Bild eines sehr wortkargen, eigenwilligen und einzelgängerischen alten Mannes, der dann trotzdem überraschend leicht und wortgewandt von Episoden seiner Vergangenheit berichtet. Manchmal schlägt die Stimme des Mannes so abrupt um, dass ich beim Lesen irritiert und wie aus der Geschichte rausgeworfen war. Das konnte ich ihm nicht abkaufen, ich habe mehrmals gedacht, dass ich nicht glaube, dass dieser Mann das so gesagt hat. In dem Wissen, dass das Buch noch in der Überarbeitung steckte und noch nicht druckfertig vorlag, als Tommie Goerz starb, kann es natürlich sein, dass genau das noch überarbeitet werden sollte. Vielleicht liegt dem aber auch etwas zugrunde, was ich noch nicht verstanden habe. Insgesamt habe ich es gern gelesen, es war aber für mich nicht weltbewegend und die Unstimmigkeiten im Charakter haben mich unschlüssig hinterlassen, daher 3,5/5 Sternen.