Kommt leider nicht an die Vorgänger heran
Im Tal“ ist einer meiner Lieblingsromane, und auch „Im Schnee“ hat mich sehr berührt. Voller Vorfreude habe ich daher auf „Der Baum“ von Tommie Goerz gewartet.
Michel ist Ende siebzig und Wirt im „Baum“, einem alteingesessenen Wirtshaus im Fränkischen. Die Tage vergehen, das Wirtshaus, einst Mittelpunkt des Dorflebens, hat seine besten Jahre längst hinter sich und wirkt wie ein Relikt aus vergangenen Zeiten. Genau wie Michel, der in sich gekehrt tagein, tagaus in der Wirtsstube sitzt, die wenigen Stammgäste bewirtet und auf sein Leben zurückblickt: Auf die arbeitsame Kindheit und Jugend, auf verpasste Chancen, auf Flucht aus der Enge des Dorfes und Rückkehr, auf Verantwortung und Schuld.
Wie auch bei den beiden vorangehenden Romanen ist die Hauptfigur ein stiller, wortkarger Mann, der seine Gefühle tief in sich verborgen trägt. Erst langsam öffnet er sich gegenüber Liz, die seit Jahren Stammgast im „Baum“ ist und behutsam Fragen stellt. Tommie Goerz zeichnet ein Bild des dörflichen Lebens in der Mitte des 20. Jahrhunderts mit Licht und viel Schatten: Da sind die Dorffeste, der Zusammenhalt und die Geselligkeit, aber auch die Enge, die strengen Hierarchien und patriarchalen Strukturen, aus denen man schon beim Lesen ausbrechen möchte. Während die Männer im „Baum“ täglich bei Bier und Hochprozentigem beisammensaßen, hatten Frauen dort keinen Zutritt und kümmerten sich stattdessen um Haushalt und Familie.
Vielleicht ist es der stickige Mief aus Alkohol, Schweiß, Tabakrauch und deftiger Küche, den ich bei der Lektüre geradezu riechen konnte, der dazu beitrug, dass mich Tommie Goerz diesmal nicht so berühren konnte wie sonst. Die Geschichten aus der Wirtsstube erzeugten eher eine Abneigung bei mir. Insgesamt wirkte dieser Roman auf mich weniger komplex und vielschichtig als die Vorgänger und erreicht nicht deren Intensität. Michels Lebensgeschichte entwickelte nicht die Tiefe, die ich erwartet hatte, und einiges, was interessant hätte sein können, wurde nur kurz angerissen. So hätte ich etwa seiner Schwester Dora gerne mehr Raum im Roman gegönnt.
Insgesamt bleibt für mich „Der Baum“ leider deutlich hinter den anderen literarischen Werken von Tommie Goerz zurück.
Michel ist Ende siebzig und Wirt im „Baum“, einem alteingesessenen Wirtshaus im Fränkischen. Die Tage vergehen, das Wirtshaus, einst Mittelpunkt des Dorflebens, hat seine besten Jahre längst hinter sich und wirkt wie ein Relikt aus vergangenen Zeiten. Genau wie Michel, der in sich gekehrt tagein, tagaus in der Wirtsstube sitzt, die wenigen Stammgäste bewirtet und auf sein Leben zurückblickt: Auf die arbeitsame Kindheit und Jugend, auf verpasste Chancen, auf Flucht aus der Enge des Dorfes und Rückkehr, auf Verantwortung und Schuld.
Wie auch bei den beiden vorangehenden Romanen ist die Hauptfigur ein stiller, wortkarger Mann, der seine Gefühle tief in sich verborgen trägt. Erst langsam öffnet er sich gegenüber Liz, die seit Jahren Stammgast im „Baum“ ist und behutsam Fragen stellt. Tommie Goerz zeichnet ein Bild des dörflichen Lebens in der Mitte des 20. Jahrhunderts mit Licht und viel Schatten: Da sind die Dorffeste, der Zusammenhalt und die Geselligkeit, aber auch die Enge, die strengen Hierarchien und patriarchalen Strukturen, aus denen man schon beim Lesen ausbrechen möchte. Während die Männer im „Baum“ täglich bei Bier und Hochprozentigem beisammensaßen, hatten Frauen dort keinen Zutritt und kümmerten sich stattdessen um Haushalt und Familie.
Vielleicht ist es der stickige Mief aus Alkohol, Schweiß, Tabakrauch und deftiger Küche, den ich bei der Lektüre geradezu riechen konnte, der dazu beitrug, dass mich Tommie Goerz diesmal nicht so berühren konnte wie sonst. Die Geschichten aus der Wirtsstube erzeugten eher eine Abneigung bei mir. Insgesamt wirkte dieser Roman auf mich weniger komplex und vielschichtig als die Vorgänger und erreicht nicht deren Intensität. Michels Lebensgeschichte entwickelte nicht die Tiefe, die ich erwartet hatte, und einiges, was interessant hätte sein können, wurde nur kurz angerissen. So hätte ich etwa seiner Schwester Dora gerne mehr Raum im Roman gegönnt.
Insgesamt bleibt für mich „Der Baum“ leider deutlich hinter den anderen literarischen Werken von Tommie Goerz zurück.