Melancholischer Lebensrückblick
Stimmungsvoll und traurig: aufwachsen in einer kaputten Familie, in einem traditionell geprägten Dorf, von Fehlentscheidungen und Schuld
Ein schreckliches Unwetter zieht herauf, es wird ein Gewitter geben und das hat Tommie Goertz in bildhaften Worten dramatisch beschrieben. Da könnte man fast Angst kriegen so wie der alte Michel Gruber, der sich früher als Kind unter dem Tisch verkrochen hat. Allerdings ist es nicht irgendein Tisch, sondern einer, der aus einem vom Blitz gefällten alten Kirschbaum gemacht wurde. Er steht seit vielen Jahren in einem alten Wirtshaus, dem er seinen Namen gegeben hat: ‘Der Baum’.
Michel hat kaum noch Gäste, kann sich aber nicht von seinem Wirtshaus trennen, das einmal den Männern des Dorfes ‘ein Wohnzimmer’ geboten hat und mit dem viele Erinnerungen verbunden sind, leider nicht nur gute. Warum aber lebt er dann immer noch dort, warum jagt ihm jedes Gewitter einen Mordsschrecken ein und verschafft ihm Alpträume in der Nacht? Wer ist Berta? Warum träumt er nach so vielen Jahren noch immer von ihr? Warum hat er nach dem Tod des Vaters nicht in Freiheit sein eigenes Leben gelebt?
Das erfahren wir nach und nach in kleinen Häppchen, die Michel der empathischen Liz erzählt. Sie drängt ihn nicht, fragt aber immer wieder vorsichtig nach, wodurch am Ende des Buches auch die Fragen der Leser geklärt sind, zumindest einige - ein geschickter erzählerischer Kniff, um die Bruchstücke der Vergangenheit zusammenzusetzen.
Alles hat mit dem lieblosen Elternhaus zu tun, in dem er aufgewachsen ist, viel arbeiten musste und sogar vom Vater geprügelt wurde, mit einer Mutter, die ‘wie nicht da’ war und einer kaltherzigen Großmutter. Nur der liebevolle Großvater bot ein wenig Schutz, bis auch dessen Leben eine einschneidende Wende erfuhr.
Warum aber verschwand Michel als junger Mann und kehrte nach einem Jahr wieder zurück? Warum lehnte er sich nicht gegen den Vater auf? Zunehmend verdichten sich die Erzählteile zu einem traurigen Ganzen, das mit einer dramatischen Schuld zu tun hat.
Trotz aller Wehmut empfand ich das versöhnliche Ende als eine Art Abschluss. Es hat mit dem Auftauchen eines jungen Mannes zu tun… Doch das muss man selber lesen, denn es ist nicht eine spannende Handlung, sondern das Aufdecken eines fehlgeschlagenen Lebens, das diese Geschichte für mich anziehend gemacht hat.
Ganz nebenbei, sozusagen als Hintergrundschablone, erfahren wir, wie sich das Dorf im Laufe der Jahre verändert hat: Neubaugebiete wurden auf den ehemaligen Feldern angelegt, Supermärkte auf der grünen Wiese, junge Nachfolger auf alten Höfen, die alles anders machen. Dass auch früher nicht alles ‘rosig’ war, erfahren wir aus Michels Gedanken, weil er sich ein wenig schuldig fühlt, dass früher so viele Männer im ‘Baum’ ihr Geld für zu viel Alkohol ausgegeben haben, auf Kosten der Gesundheit und der Familie.
Fazit
Ein ruhiges, melancholisches, in wunderbar bildhafter Sprache geschriebenes Buch, das seine leise Spannung daraus bezieht, dass ein Geheimnis am Ende aufgedeckt wird, eines, das so vieles erklärt. Eine spannende Handlung darf man nicht erwarten, aber eine liebevoll erzählte Geschichte von einem Mann, der am Ende seinen Frieden findet.
Ein schreckliches Unwetter zieht herauf, es wird ein Gewitter geben und das hat Tommie Goertz in bildhaften Worten dramatisch beschrieben. Da könnte man fast Angst kriegen so wie der alte Michel Gruber, der sich früher als Kind unter dem Tisch verkrochen hat. Allerdings ist es nicht irgendein Tisch, sondern einer, der aus einem vom Blitz gefällten alten Kirschbaum gemacht wurde. Er steht seit vielen Jahren in einem alten Wirtshaus, dem er seinen Namen gegeben hat: ‘Der Baum’.
Michel hat kaum noch Gäste, kann sich aber nicht von seinem Wirtshaus trennen, das einmal den Männern des Dorfes ‘ein Wohnzimmer’ geboten hat und mit dem viele Erinnerungen verbunden sind, leider nicht nur gute. Warum aber lebt er dann immer noch dort, warum jagt ihm jedes Gewitter einen Mordsschrecken ein und verschafft ihm Alpträume in der Nacht? Wer ist Berta? Warum träumt er nach so vielen Jahren noch immer von ihr? Warum hat er nach dem Tod des Vaters nicht in Freiheit sein eigenes Leben gelebt?
Das erfahren wir nach und nach in kleinen Häppchen, die Michel der empathischen Liz erzählt. Sie drängt ihn nicht, fragt aber immer wieder vorsichtig nach, wodurch am Ende des Buches auch die Fragen der Leser geklärt sind, zumindest einige - ein geschickter erzählerischer Kniff, um die Bruchstücke der Vergangenheit zusammenzusetzen.
Alles hat mit dem lieblosen Elternhaus zu tun, in dem er aufgewachsen ist, viel arbeiten musste und sogar vom Vater geprügelt wurde, mit einer Mutter, die ‘wie nicht da’ war und einer kaltherzigen Großmutter. Nur der liebevolle Großvater bot ein wenig Schutz, bis auch dessen Leben eine einschneidende Wende erfuhr.
Warum aber verschwand Michel als junger Mann und kehrte nach einem Jahr wieder zurück? Warum lehnte er sich nicht gegen den Vater auf? Zunehmend verdichten sich die Erzählteile zu einem traurigen Ganzen, das mit einer dramatischen Schuld zu tun hat.
Trotz aller Wehmut empfand ich das versöhnliche Ende als eine Art Abschluss. Es hat mit dem Auftauchen eines jungen Mannes zu tun… Doch das muss man selber lesen, denn es ist nicht eine spannende Handlung, sondern das Aufdecken eines fehlgeschlagenen Lebens, das diese Geschichte für mich anziehend gemacht hat.
Ganz nebenbei, sozusagen als Hintergrundschablone, erfahren wir, wie sich das Dorf im Laufe der Jahre verändert hat: Neubaugebiete wurden auf den ehemaligen Feldern angelegt, Supermärkte auf der grünen Wiese, junge Nachfolger auf alten Höfen, die alles anders machen. Dass auch früher nicht alles ‘rosig’ war, erfahren wir aus Michels Gedanken, weil er sich ein wenig schuldig fühlt, dass früher so viele Männer im ‘Baum’ ihr Geld für zu viel Alkohol ausgegeben haben, auf Kosten der Gesundheit und der Familie.
Fazit
Ein ruhiges, melancholisches, in wunderbar bildhafter Sprache geschriebenes Buch, das seine leise Spannung daraus bezieht, dass ein Geheimnis am Ende aufgedeckt wird, eines, das so vieles erklärt. Eine spannende Handlung darf man nicht erwarten, aber eine liebevoll erzählte Geschichte von einem Mann, der am Ende seinen Frieden findet.