Bin gespannt

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belli4charlotte Avatar

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Optisch ist das Cover schon sehr vielversprechend. Ich mag es sehr.
Schon beim Lesen der Inhaltsangabe hat mich dieses Buch gepackt – und beim eigentlichen Lesen dann nicht mehr losgelassen. Die Geschichte beginnt scheinbar leicht und unbeschwert, mit einer ausgelassenen Clubnacht, doch dieser trügerische Einstieg macht den anschließenden Bruch umso schmerzhafter. Caras Schicksal hat mich tief getroffen, vor allem weil es so plötzlich und hilflos wirkt. Die Ohnmacht, mit der Natalie zurückbleibt, ist fast körperlich spürbar. Ihre Wut, ihre Schuldgefühle und diese verzweifelte Entschlossenheit, nicht einfach weiterzuleben, haben bei mir sofort Empathie ausgelöst.

Besonders intensiv habe ich Natalies Entscheidung empfunden, sich Geoffrey Rosenberg zu nähern. Dieser Schritt ist gleichzeitig mutig und beängstigend. Während ich gelesen habe, war ich innerlich ständig hin- und hergerissen: Ist er wirklich der Täter oder projiziert Natalie ihre Angst und ihren Schmerz auf ihn? Die Atmosphäre in der Villa ist beklemmend, fast erstickend. Jeder Blick, jede Geste von Geoffrey wirkt doppeldeutig. Genau dieses Spiel mit Nähe und Misstrauen sorgt für eine unterschwellige Spannung, die mich permanent nervös gemacht hat.

Was mir besonders naheging, war die zentrale Frage nach Kontrolle und Manipulation: Wer spielt hier eigentlich mit wem? Natalie glaubt, die Fäden in der Hand zu halten – und doch hatte ich als Leserin ständig das Gefühl, dass sie sich immer tiefer in etwas verstrickt, das größer ist als sie selbst. Der Roman hat bei mir ein ungutes, aber faszinierendes Gefühl hinterlassen: die Angst, sich im eigenen Rache- und Gerechtigkeitsdrang zu verlieren. Ein emotionaler, düsterer Thriller, der lange nachwirkt und mich mit einem leisen Schaudern zurückgelassen hat.