Verdacht, Verführung, Verwirrung

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
newspaper Avatar

Von

Dieser Thriller hat mich von der ersten Seite an in seinen Bann gezogen. Nicht, weil er auf drastische Effekte oder extreme Schockmomente setzt, sondern weil Iliana Xander den Leser geschickt in eine Welt führt, in der Glanz und Glamour auf dunkle, beunruhigende Geheimnisse treffen. Die Protagonistin Natalie Olsen gerät dabei fast unmerklich in ein Geflecht aus Fragen, Zweifeln und Machtspielen, als sie der Wahrheit auf den Grund gehen will und herauszufinden versucht, welche Rolle der charismatische Unternehmer Geoffrey Rosenberg im Verschwinden ihrer Freundin spielt.

Im Zentrum der Geschichte steht das Spannungsfeld zwischen Schein und Sein: luxuriöse Villen, glänzende Magazine und perfekt inszenierte Fassaden, und darunter beginnt mit jedem Kapitel etwas mehr zu bröckeln. Xanders Schreibstil überzeugt durch eine gelungene Mischung aus Tempo und Zurückhaltung. Statt auf blutige Effekte zu setzen, baut sie Spannung durch Atmosphäre, psychologische Feinheiten und leise Bedrohungen auf. Die Villa des „Boss“ wird dabei zur Bühne für Beobachtungen, Vermutungen und subtile Machtkämpfe.

Für Thriller-Einsteiger ist dieses Buch ein zugänglicher Einstieg: nicht zu brutal, aber dennoch packend genug, um die Seiten rasch umzublättern. Gleichzeitig bietet die Geschichte auch erfahrenen Lesern eine interessante Mischung aus Whodunit, psychologischem Spiel und Charakterstudie. Am Ende bleibt genau jene Frage, die bereits der Titel stellt: Monster oder Genie? Und die Antwort wirkt auch nach dem letzten Satz noch vielschichtig und nachhallend.