Vom (Wieder)Zueinanderfinden

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lesemanege Avatar

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Rahel und Peter sind mitten in den letzten Vorbereitungen für ihren Sommerurlaub als ein Anruf sämtliche Pläne über Bord wirft. Es gab einen Brand, das Sommerhaus ist nicht mehr. Zeitgleich erleiden enge Freunde einen Schicksalsschlag, sodass sich Rahel und Peter bereit erklären, deren Haus in der ostdeutschen Provinz zu hüten anstatt „so richtig“ in den Urlaub zu fahren. Jetzt haben sie ja Zeit. Für das Haus ihrer Freunde, für sich selbst, für ihre Ehe, die nach 30 Jahren ins Stocken geraten ist.

Der Brand selbst also steht nicht im Mittelpunkt der Geschichte. Er ist das auslösende Ereignis, das Rahel und Peter an einen Ort verschlägt an dem man gar nicht anders kann, als sich mit sich selbst auseinanderzusetzen, vielleicht auch miteinander.

Was Daniela Kriens Bücher für mich besonders auszeichnet, sind ihr fein gezeichnetes Charaktere. Allesamt nah- und greifbar. Sie könnten die Nachbarn sein, die ich am Briefkasten treffe oder der Kollege, der 2 Büros weiter sitzt. Und somit sind auch die Konflikte, sowohl die zwischen den Figuren, als auch die die jede Figur mit sich selbst herumträgt, sehr nachvollziehbar und so selbstverständlich eingebettet, dass auch bei einer Vielzahl an Konflikten, inneren wie äußeren, keine Verwirrung oder Überforderung entsteht. Daher braucht diese Geschichte auch keine große reiseblogger-Kulisse. Durch Kriens sensiblen, schönen Schreibstil und die genannten Aspekte, tut es die ostdeutsche Provinz eben auch und ist für das Wesen der Protagonisten essenziell.

Für mich ist „Der Brand“ das Daniela Krien-Buch mit den am explizitesten formulierten politischen Ansichten, was vielleicht angesichts der Zeit, in der das Buch entstand (2021, Pandemie), gar nicht so überraschend ist. Dabei wirken weder Geschichte noch Dialoge belehrend. Krien macht viele Themen auf, aber so ist es im Leben schließlich auch und vielleicht kann sich grade deswegen jede:r in irgendeiner Ansicht der Figuren – neben Peter und Rahel beispielsweise auch deren Kinder - wiederfinden.

Für mich ein sehr gelungener, lebensnaher Roman der neben seinen politischen Attributen viel Nähe und das Wiederzueinanderfinden enthält.