Ruhig, sanft und doch voller Gefühl

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jule_reads Avatar

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Die Leseprobe ist unglaublich sanft, melancholisch und gleichzeitig tief berührend. Schon der Prolog mit Hyomins Brief hat mir das Herz schwer gemacht – dieses Schreiben ohne Hoffnung auf Antwort, dieses Bedürfnis, Worte loszuwerden, um nicht innerlich zu ersticken.
Der Schreibstil ist wunderschön ruhig, fast poetisch, ohne kitschig zu sein. Alles wirkt entschleunigt: die Beschreibungen, die Gedanken, selbst die Bewegungen im Briefladen. Jedes Detail zählt – Gerüche, Farben, Licht. Besonders der Letter Shop fühlt sich wie ein Schutzraum an, ein Ort, an dem man kurz vergessen darf, wie laut und überfordernd die Welt ist.
Hyoyeong ist eine sehr zurückhaltende, fragile Protagonistin, aber gerade das macht sie so nahbar. Sie trägt viel Schuld, Wut und Unsicherheit in sich, vor allem in Bezug auf ihre Schwester. Ihre Art, Briefe konsequent nicht zu öffnen, tut weh, ist aber emotional total nachvollziehbar. Sie wirkt verloren, aber nicht leer – eher wie jemand, der noch nicht weiß, wie man wieder fühlt.
Die Atmosphäre ist ruhig, warm und gleichzeitig von Traurigkeit durchzogen. Es passiert wenig im klassischen Sinne, aber innerlich passiert unglaublich viel. Diese Geschichte lädt einfach zum runterfahren ein und ganz besonders zum durchatmen.
Für den Moment liebe ich einfach alles daran und würde liebend gerne weiter lesen.