Ein zauberhaftes Buch

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rebekka Avatar

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Was für ein zauberhaftes Buch! Da ich selbst gern ausführliche Briefe schreibe, dachte ich angesichts des liebevoll gestalteten Titelbildes und des mysteriösen Titels sofort: „Das ist genau das Richtige für mich!“ Und ich wurde nicht enttäuscht: der Debütroman von Baek Seungyeon gehört für mich jetzt schon zu den Lesehighlights des Jahres. Von der ersten Seite an taucht man ein in eine fremde Welt, fühlt sich sofort wohl in dem wunderbaren südkoreanischen Briefe-Shop, in dem nicht nur Briefpapier, sondern auch außergewöhnlich Postkarten und ein „hölzerner“ Raumduft verkauft, Umschläge noch von Hand gefaltet und Brieffreundschaften mit anonymen Empfängern ermöglicht werden. Wie sollte man einen Laden nicht ins Herz schließen, in dem Sets für Liebesbriefe verkauft werden, deren Umschläge aus Transparentpapier bestehen, so dass „selbst die schüchternsten Gefühle durchscheinen“!

Die Protagonisten sind durch die Bank weg sympathisch, ja man mag kaum glauben, dass es noch so freundliche, bescheidene, rücksichtsvolle und hilfsbereite Menschen gibt – in einer Welt, in der Egoismus, die Jagd nach dem großen Geld und Ellbogenmentalität an der Tagesordnung sind. Das Angebot, sein Herz wildfremden Menschen auszuschütten, ist ebenso ungewöhnlich wie herzerwärmend. In diesen Briefen stößt man auf wunderbare Sätze wie „Die Probleme von heute werden vorübergehen. Ich werde meinen kostbaren Tag nicht mit nutzlosen Sorgen verschwenden“. Recht hat der anonyme Schreiber/die anonyme Schreiberin!

Zugegeben, die koreanischen Namen kann sich ein Westeuropäer nur schwer merken und ob eine Frau, deren Berufswunsch von Kindesbeinen an „Regisseurin“ lautete, als Verkäuferin in einem Briefladen wirklich ihre Bestimmung findet, sei dahingestellt. Aber was weiß ich schon über die Gefühlslage der Menschen in Korea? Dafür bin ich mir aber ganz sicher: Dieses Buch ist lesenswert.