Eine neue Wertschätzung des Briefeschreibens

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piperowja Avatar

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Das Cover, das eine junge Frau beim Schreiben eines Briefes zeigt, zog mich sofort in seinen Bann. Hyoyeong wollte ursprünglich Regisseurin werden. Sie brach ihr Filmprojekt ab, weil ihre Mutter wegen einer Hüftoperation im Krankenhaus lag. Sie kümmerte sich um sie. Als Briefe von ihrer älteren Schwester Hyomin eintrafen, zog sie nach Seoul, um in einem Letter Shop zu arbeiten. Hyomin hatte die Ersparnisse der Familie an einen Betrüger verloren, weshalb Hyoyeong keinen weiteren Kontakt zu ihr wünschte. Im Briefladen, den ein ehemaliger Kommilitone eröffnet hatte, fühlt sie sich bald heimisch. Sie ermutigt die Kundinnen und Kunden, am Penpal-Service teilzunehmen: Jeder kann anonym einen Brief schreiben, ihn in ein Fach legen und dafür einen anderen Brief aus einem anderen Fach nehmen. So entstehen zahlreiche Brieffreundschaften.
Der Schreibstil der Autorin Baek Seungyon ist einfühlsam, die Atmosphäre im Laden wird mit liebevollen Details lebendig. Auch die Briefe, die – wie im Nachtrag erwähnt – von echten Kundinnen und Kunden stammen, sind voller Gefühl. Die Übersetzung von Sebastian Bring ist meisterhaft gelungen. Einzig die häufigen, ausführlichen Arbeitsprotokolle störten mich etwas. Gegen Ende zog sich die Geschichte für meinen Geschmack zu sehr in die Länge, viele Details, etwa zur Einrichtung des Ladens, wiederholte die Autorin mehrfach. Der Schluss wirkte etwas abrupt. Insgesamt ist das Buch jedoch eine wunderbare Empfehlung für ruhige Stunden und für alle, die das Briefeschreiben neu entdecken möchten.