Eine stille Geschichte über Briefe und das Leben

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birdies_buecherwelt Avatar

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Hyoyeong hat ihr Studium abgebrochen und plötzlich fühlt sich ihr Leben ungewohnt ungewiss an. Als Aushilfe im Letter Shop beginnt sie, zwischen Briefpapier, handgeschriebenen Worten und den Geschichten anderer Menschen langsam wieder Halt zu finden.
Für südkoreanische Literatur empfand ich diesen Roman als überraschend modern, sowohl vom Stil als auch vom Aufbau her. Er liest sich wie ein klassischer Belletristikroman und war für mich dadurch sehr zugänglich. Besonders hilfreich fand ich die Übersicht der Figuren zu Beginn, inklusive der Hinweise zur Aussprache der Namen.
Im Mittelpunkt stehen der Letter Shop und die Geschichten seiner Besucherinnen und Besucher. Es sind viele kleine Schicksale, Hoffnungen, Verluste und Sehnsüchte, die über den Penpal Service, eine Art anonyme Brieffreundschaft, offenbart werden. Manche dieser Geschichten haben mich wirklich sehr berührt. Gut möglich, dass ich aktuell besonders empfänglich für emotionale Geschichten bin, aber diese waren für mich das Herzstück des Romans. Natürlich geht es um die Liebe zum geschriebenen Wort. Um Briefe, um das Schreiben an sich und darum, dass man manche Dinge auf Papier besser ausdrücken kann als im Gespräch. Wann schreibt man heute noch einen richtigen Brief? Bei mir sind es höchstens Postkarten. Dieses Buch erinnert daran, wie kraftvoll Worte sein können, wenn man ihnen Raum gibt.
Dass der Letter-Shop ein reales Vorbild hat, rückt die Geschichten und die geschriebenen Briefe noch einmal in ein ganz besonderes Licht. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung für alle, die asiatische Literatur und ruhige, entschleunigende Geschichten mögen.