Wo Briefe verbinden und die Zeit kurz stillsteht

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linschi Avatar

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Der Briefladen, in dem die Zeit stillstand hat mich sofort abgeholt – nicht zuletzt, weil ich Briefeschreiben liebe. Worte auf Papier, Gedanken mit der Hand festhalten, echte Nähe ohne Bildschirm: Genau davon lebt dieser Roman. Hyoyeong findet nach schweren familiären Einschnitten in einem Briefladen in Seoul einen Ort der Ruhe und Begegnung. Das anonyme Briefsystem, bei dem Fremde Briefe tauschen und sich schreibend näherkommen, ist das emotionale Herz der Geschichte – leise, berührend und unglaublich menschlich.

Baek Seungyeon erzählt feinfühlig und unaufgeregt von Einsamkeit, Verlust und Neubeginn. Nichts wirkt aufgesetzt, alles fühlt sich echt an. Besonders die Briefe selbst, teils von realen Menschen inspiriert, verleihen dem Roman Tiefe und Wärme. Als begeisterte Briefeschreiberin habe ich mich hier sofort zuhause gefühlt. Trotz kleiner Längen und eines etwas schnellen Endes bleibt ein Roman, der entschleunigt, tröstet und Lust macht, selbst wieder zum Stift zu greifen. Ein stilles Highlight für Herz und Seele.