Vier Frauen, ein Buch und der Beginn einer kleinen Revolution

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jule2005 Avatar

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Schon die ersten Seiten von Die Frauen von Concordia haben mich sofort neugierig gemacht. Besonders das Setting im Jahr 1963 gefällt mir sehr gut: Während sich in den USA langsam gesellschaftliche Veränderungen ankündigen, scheint in der idyllischen Vorstadt Concordia zunächst alles beim Alten zu bleiben. Genau dieser Gegensatz macht die Geschichte für mich besonders spannend.

Der Schreibstil liest sich flüssig und gleichzeitig sehr atmosphärisch. Ich mochte besonders die vielen kleinen Details, durch die man direkt in diese Zeit eintaucht. Margarets perfekt gestyltes Äußeres, die Zeitschriftenrezepte, das Frühstück mit Cap’n Crunch oder die gesellschaftlichen Erwartungen an Frauen und Mütter. Gleichzeitig merkt man schon auf den ersten Seiten, dass unter dieser scheinbar perfekten Oberfläche einiges brodelt.

Margaret finde ich als Protagonistin besonders interessant. Nach außen führt sie das typische Leben einer Hausfrau und Mutter, doch durch Betty Friedans Der Weiblichkeitswahn beginnt sie zunehmend zu hinterfragen, warum sie trotz ihres vermeintlich perfekten Lebens das Gefühl hat, dass etwas fehlt. Ich finde es spannend, wie vorsichtig sich dieser Wandel zunächst entwickelt. Auch ihre Tochter Beth hat mir mit ihrer vorlauten und selbstbewussten Art sofort gefallen, gerade weil Margaret in ihr eine Eigenschaft erkennt, die Mädchen damals offenbar lieber nicht zeigen sollten.

Noch neugieriger bin ich allerdings auf die anderen Frauen des Buchclubs. Charlotte wirkt bereits jetzt wie ein ziemlicher Freigeist und gleichzeitig wie jemand, der ganz bewusst provoziert. Dass ausgerechnet sie Der Weiblichkeitswahn als erstes Buch ausgewählt hat, verspricht definitiv interessante Diskussionen. Auch Bitsy scheint viel mehr zu sein als die junge Frau, die in Concordia noch nicht so recht ihren Platz gefunden hat. Dass historische Persönlichkeiten wie Katharine Graham in die Geschichte eingebunden werden, finde ich zusätzlich spannend.

Besonders interessant finde ich den Gedanken, dass diese Frauen durch ein gemeinsames Buch überhaupt erst die Möglichkeit bekommen, über ihre eigenen Wünsche und ihr Leben nachzudenken. Ich erwarte deshalb keine reine Wohlfühlgeschichte über einen Buchclub, sondern eine Geschichte über Freundschaft, gesellschaftliche Erwartungen und den Mut, sich gegen eine vorgegebene Rolle zu stellen.

Die Leseprobe hat bei mir vor allem die Frage hinterlassen, was dieser Buchclub im Leben der vier Frauen verändern wird. Margarets versteckte Schreibmaschine lässt außerdem vermuten, dass sie selbst bereits an etwas arbeitet, das sie ihrem bisherigen Leben immer weiter entfremden könnte. Ich bin sehr gespannt, welche Geheimnisse die Frauen miteinander teilen werden und ob aus ihrem kleinen Buchclub tatsächlich der Beginn einer persönlichen Revolution entsteht.