Der Weiblichkeitswahn
In der malerischen Vorstadt Concordia, Virginia, lebt Anfang der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts Margaret Ryans ein scheinbar idyllisches, gepflegtes Leben mit Ehemann und drei Kindern. Als die unkonventionelle Charlotte Gustafson in die Nachbarschaft zieht, verspürt Margaret den Wunsch, sie zur Freundin zu gewinnen und lädt sie spontan zu ihrem Buchclub ein, der bis dato jedoch noch gar nicht existiert. Charlotte stimmt, zunächst widerwillig, zu, sofern man dort zunächst das Buch „Der Weiblichkeitswahn“ von Betty Friedan liest. Für den neuen Buchclub kann Margaret noch ihre beste Freundin und geniale Bäckerin Bitsy gewinnen und die eher stille Viv, die sich sehnsüchtig ein Kind wünscht. Die unangepasste Charlotte und die gemeinsamen Gespräche über die feministische Lektüre veranlassen die „Bettys“, wie sich die vier Frauen nennen, ihr nur nach außen hin so perfektes Leben zu hinterfragen und für mehr Selbstbestimmung zu kämpfen, was innerhalb ihrer Familien und Nachbarschaft mit Argwohn beobachtet wird. Die tiefe Verbundenheit untereinander gibt den Frauen die Kraft, über sich hinauszuwachsen: Sie brechen aus den starren Strukturen des Patriarchats aus, fällen mutige Entscheidungen und beschreiten völlig neue Lebenswege.
Mit der Veröffentlichung von „Der Buchclub der eigensinnigen Frauen“ ist erstmals ein Werk der US-amerikanischen Erfolgsautorin Marie Bostwick in deutscher Übersetzung erschienen. Bostwick, die weltweit bereits für ihre mehr als zwanzig zeitgenössischen und historischen Romane gefeiert wird, dürfte mit diesem aktuellen Buch mühelos auch eine große Fangemeinde im deutschsprachigen Raum gewinnen.
Marie Bostwick hat einen wunderbaren Unterhaltungsroman geschaffen, der sich dank seines flüssigen Schreibstils, der erzählerischen Leichtigkeit und einer guten Prise Humor als echter Pageturner erweist. Obwohl einige Entwicklungen recht vorhersehbar waren und große Überraschungen ausblieben, hat mir das Lesen unglaublich viel Spaß gemacht.
Der Autorin gelingt es hervorragend, die Realität der zutiefst patriarchalischen 1960er-Jahre lebendig einzufangen. Obwohl mir vieles aus dieser Zeit theoretisch bekannt war, hat mich das frauenfeindliche Gesellschaftsbild emotional tief berührt. Ich war beim Lesen regelrecht entsetzt, wie wenig Mitspracherecht Frauen damals hatten und wie bedingungslos sie sich den Wünschen ihrer Ehemänner und Väter unterordnen mussten. Beim Lesen wird einem erst richtig bewusst, was für ein großes Glück es ist, dass sich Frauen seither so viele Rechte erkämpft haben. Dieser historische Kampf macht unsere heutige, weitaus selbstbestimmtere Lebensrealität überhaupt erst möglich. Als gelungene Parallele zur Realität erweist sich das im Buch zentrale Werk „Der Weiblichkeitswahn“. Es wurde in genau dieser Zeit veröffentlicht und sorgte als realer Bestseller weltweit für enormes Aufsehen und hitzige Debatten.
Maggie, Viv, Bitsy und Charlotte sind hervorragend ausgearbeitete Figuren, die sinnbildlich für die Frauen der 1960er-Jahre stehen – sympathisch, nahbar und absolut inspirierend. Ihre persönliche Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Zwängen, ihr Ringen um mehr Selbstständigkeit sowie das Erkennen und die – zunächst zaghafte – Verwirklichung ihrer eigenen Wünsche machten die Lektüre unglaublich spannend und ich habe intensiv mit ihnen gelitten und genossen. Es liegt in der Natur der Sache, dass ihr Weg keineswegs geradlinig verlief, sondern immer wieder von Zweifeln und Rückschlägen begleitet wurde, was ich keinesfalls als Längen im Buch sehe.
Im Mittelpunkt steht dabei auch immer die tiefe Freundschaft zwischen den Frauen und ihr Zusammenhalt, was ein zentraler Aspekt der Handlung ist.
Ein „Brief an meine Leserschaft“ von der Autorin mit einigen Hintergrundinformationen und „Diskussionsfragen für einen Buchclub“ runden das Buch perfekt ab.
Mir hat „Der Buchclub der eigensinnigen Frauen“ sehr gut gefallen; die Lektüre bot mir beste Unterhaltung und bescherte mir sowohl erhellende Aha-Momente als auch Augenblicke voller ungläubigem Entsetzen. Ich empfehle dieses Buch voller female empowerment unbedingt weiter.