Die Entfesselten

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
blackcat Avatar

Von

Inhalt:

USA 1963: Margaret fühlt sich ohnmächtig, frustriert und wütend, weil sich ihr Leben wie eine Falle anfühlt. Die Arbeit, die sie in Haushalt, Kinder sowie Mann steckt, wird nicht wertgeschätzt. Die (finanzielle) Abhängigkeit von ihrem Mann engt sie ein. Und als sie es wagt, beruflichen Erfolg anzustreben, tut ihr Mann das als Sich-Verrennen ab. Sogar Psychologie und Psychiatrie jener Zeit vermitteln, dass Ziele, die über Heim und Herd hinausgehen, Anzeichen für eine Neurose sind. Ihren beiden Freundinnen Viv und Bitsy geht es ähnlich. Dann bringt die neue Nachbarin – die Freigeistin Charlotte – elektrisierende Inspiration in die biedere Wohnsiedlung. Als Margaret eine Lesegruppe gründet und Charlotte ein feministisches Buch vorschlägt, beginnen die Frauen, über ihre geheimen Sehnsüchte zu sprechen, sich (konstruktiv) zu kritisieren, zu ermutigen und mit der Unterstützung der anderen auf in sich schlummernde Stärken zurückzugreifen.

Meine Meinung:

Der ausdrucksstarke, tiefschürfende Stil, mit dem die Gefühlsachterbahn der Protagonistinnen geschildert wird, ist ergreifend und fesselnd. Die reflektierte Offenheit, die brennende Inspiration und der unerschütterliche Mut, mit dem sie sowohl vermittelte und verinnerlichte als auch reale Grenzen überwinden, werden ebenso intensiv dargestellt. Die einzelnen Frauen sind interessant, aber die Dynamik zwischen ihnen hat etwas Magisches! Mit ihrem ereignisreichen Verlauf und dem greifbaren 1960er-Jahre Flair spannt die Geschichte einen weiten Bogen: von feministischen Themen wie den Folgen systematischer Benachteiligung und dem Aufbrechen weiblicher Tugenden, die die Nachkriegszeit prägten, bis hin zum Druck auf Familienväter als Alleinverdiener, zur Unterdrückung von Minderheiten und zur Bedeutung von Verständnis.

Manchmal fand ich das Verhalten der Protagonistinnen wenig nachvollziehbar und für meinen Geschmack gab es ab und zu langgezogene Passagen, aber insgesamt hat mich „Der Buchclub der eigensinnigen Frauen“ gut unterhalten und bewegt: Die Handlung beleuchtet gesellschaftliche Themen mit Hirn, Herz und Humor! Es war wunderbar zu erleben, wie aus vier zufällig zusammengewürfelten Frauen echte Freundinnen werden, wie Träume trotz Hürden und Rückschlägen wahr werden können und wie die Figuren ihre Prioritäten neu ordnen, auch wenn es Opfer erfordert.