Faszinierend
Der Buchclub der eigensinnigen Frauen“ hat bei mir voll ins Schwarze getroffen, da ich mich momentan intensiv mit feministischen Themen und dem Wandel von Rollenbildern beschäftige. Das Herzstück des Romans sind für mich die vier grundverschiedenen Hauptfiguren. Es ist faszinierend zu erleben, wie die gemeinsame Arbeit an Betty Friedans Sachbuch-Klassiker in jeder von ihnen ein ganz eigenes Umdenken anstößt. Diese persönliche Weiterentwicklung und der spürbare Aufbruch in ein selbstbestimmteres Leben sind unglaublich packend erzählt. Zudem lebt die Geschichte von der tiefen Verbundenheit und den authentischen Dynamiken zwischen den Frauen, was die Charaktere total nahbar und sympathisch macht. Ein Wermutstropfen bleibt für mich allerdings die Definition von Feminismus im Buch: Es wird zwar lobenswerterweise durch die Figur Viv angesprochen, dass Friedans Thesen privilegierte Ansichten spiegeln und Herkunft sowie soziale Klasse oft ausblenden. Dieser intersektionale Ansatz wird mir aber zu oberflächlich behandelt. Statt die Erfahrungen der Schwarzen Krankenschwester Erlene nur am Rande und aus zweiter Hand über Viv einfließen zu lassen, hätte ich es viel mutiger und spannender gefunden, sie als aktives Mitglied direkt in den Buchclub zu integrieren.