Gesellschaftlicher Aufbruch mit angezogener Handbremse...

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mammamia Avatar

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Ich bin bei diesem Buch ehrlich gesagt ziemlich zwiegespalten. Einerseits hat es so vieles, was ich an Geschichten sehr gerne mag: ein interessantes historisches Setting, starke Frauenfiguren, Freundschaft und eine Zeit, in der sich gesellschaftlich langsam, aber doch spürbar etwas verändert.

Wir befinden uns in den 1960er-Jahren und begleiten vier Frauen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Durch einen Buchclub kreuzen sich ihre Wege und nach und nach entsteht zwischen ihnen eine Freundschaft, die für jede von ihnen wichtig wird. Denn jede der vier Frauen hat mit ihren ganz eigenen Problemen und den Erwartungen ihres Umfelds zu kämpfen. Und jede versucht auf ihre Weise, sich ein Stück Freiheit zu erkämpfen und die Grenzen dessen, was für eine Frau in dieser Zeit möglich ist, ein wenig weiter zu verschieben.

Gerade diesen gesellschaftlichen Aspekt fand ich wirklich gelungen. Marie Bostwick schafft es gut, die Veränderungen dieser Zeit einzufangen und zu zeigen, wie sehr Frauen noch immer mit gesellschaftlichen Erwartungen und festgelegten Rollen zu kämpfen hatten. Gleichzeitig fand ich es schön, dass die Frauen dabei nicht völlig auf sich allein gestellt sind, sondern sie sich haben. Die Freundschaft und der Zusammenhalt zwischen den Frauen haben mir gefallen.

Und trotzdem wollte der Funke bei mir nicht so richtig überspringen.

Das lag vor allem daran, dass mir die vier Frauen erstaunlich distanziert geblieben sind. Obwohl man viel über ihre Leben erfährt und jede von ihnen im Laufe der Geschichte eine Entwicklung durchmacht, konnte ich keine wirkliche emotionale Nähe zu ihnen aufbauen. Ich hätte mir gewünscht, stärker mit ihnen mitzufühlen und ihre Veränderungen auch emotional intensiver mitzuerleben.

Dazu kam für mich das sehr gemächliche Erzähltempo. Es passiert auf den ersten Blick gar nicht wahnsinnig viel – wobei das eigentlich nicht ganz stimmt. Denn unterschwellig passiert durchaus einiges. Die vier Frauen verändern sich, hinterfragen ihr bisheriges Leben und versuchen, sich gegen die Grenzen ihrer Zeit zu behaupten. Nur wird das alles sehr ruhig und ausführlich erzählt. Für meinen Geschmack waren dabei vor allem manche Dialoge etwas zu lang geraten, wodurch sich die Geschichte für mich stellenweise ziemlich gezogen hat.

Trotzdem habe ich das Buch nicht ungern gelesen. Das Setting der 60er-Jahre hat mir wirklich gut gefallen und auch die Entwicklung der Frauen und ihre Versuche, sich ihren eigenen Platz im Leben zu erkämpfen, fand ich interessant. Ich hätte mir von den Figuren und der Geschichte insgesamt etwas mehr emotionale Nähe und vielleicht auch ein bisschen mehr Tempo gewünscht hätte.

Für mich also ein Buch mit einem tollen Setting und interessanten Themen, bei dem ich die Idee und die gesellschaftlichen Aspekte mochte, das mich emotional aber leider nicht ganz erreichen konnte.