Unterhaltsame Reise in die sechziger Jahre

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monika85 Avatar

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Im Mittelpunkt des neuen Romans von Marie Bostwick stehen vier Frauen, die in den 60er Jahren einen Buchclub gründen und durch ihren intensiven Austausch ihr Leben auf den Prüfstand stellen.

Margaret Ryan könnte eigentlich glücklich sein. Die 33-Jährige hat einen liebevollen Ehemann, drei Kinder und ein schönes Eigenheim in der idyllischen Vorstadt Concordia. Doch wirklich zufrieden mit ihrem Leben ist sie nicht. Als ihr in einer Apotheke die faszinierende und selbstbewusste Charlotte Gustafson begegnet, gründet sie einen Buchclub und lädt Charlotte dazu ein. Die 39-jährige Mutter von vier Kindern erklärt ihre Bereitschaft, wenn der Buchclub sich mit dem gerade erschienenen Buch "Der Weiblichkeitswahn" von Betty Friedan auseinandersetzt. Auch Margarets Freundinnen Bitsy Cobb und Viv Buschetti werden dabei sein. Die 41-jährige Viv ist mit einem Offizier des Pentagons verheiratet und hat sechs Kinder, während Bitsy mit ihren 23 Jahren die Jüngste im Club ist. Sie ist mit einem Tierarzt verheiratet und wünscht sich sehnlichst ein Baby.

Über einen Zeitraum von knapp einem Jahr begleiten wir die "Bettys", wie sich die vier Frauen nach der Autorin von "Der Weiblichkeitswahn" nennen. Im letzten Kapitel springt die Handlung in das Jahr 2006, und wir erfahren, wie es den Freundinnen über die Jahrzehnte hinweg ergangen ist.

Die Geschichte ist in klarer Sprache und angenehmem Tempo erzählt, wir tauchen mit den vier Protagonistinnen ein in die sechziger Jahre und erleben ihren Alltag mit seinen Höhen und Tiefen. Die Frauen sind vom Charakter und ihren persönlichen Lebensumständen her sehr unterschiedlich, sie alle sind nicht zufrieden mit ihrem Leben. Margaret wäre gern Schriftstellerin geworden, Charlotte träumt davon, als Malerin anerkannt zu werden. Betsy ist mit Pferden aufgewachsen und wäre gern Tierärztin geworden, Viv wünscht sich, endlich wieder als Krankenschwester zu arbeiten. Die gemeinsame Lektüre des gerade erschienenen Buchs "Der Weiblichkeitswahn" öffnet den Frauen die Augen. Die Autorin Betty Friedan fordert ein gesellschaftliches Umdenken bezüglich der Rolle der Frau. Frauen seien mehr als nur Hausfrauen, wie die Männer könnten auch sie Erfüllung im Beruf finden. Margaret, Charlotte, Viv und Betsy erkennen, dass sie nicht allein sind mit ihrer Unzufriedenheit, ihren Wünschen und Sehnsüchten. Intensive Gespräche stärken ihr Selbstvertrauen, und sie beginnen, ihre persönlichen Ziele zu verfolgen.

Der Autorin ist es gelungen, den Zeitgeist und das Frauenbild der sechziger Jahre authentisch darzustellen. Damals verdienten die Männer das Geld, während die Frauen sich um den Haushalt und die Kinder kümmerten. Jede Frau brauchte die Erlaubnis ihres Ehemanns, wenn sie ein eigenes Konto eröffnen oder einer Berufstätigkeit nachgehen wollte. Auch für die Ausstellung eines Rezepts für die Antibabypille war eine schriftliche Einverständniserklärung des Ehemanns erforderlich.

Mir hat die Geschichte, in der vier Nachbarinnen zu engen Freundinnen werden und einander mit viel Tatkraft unterstützen, sehr gut gefallen. Auch die Entwicklung der Frauen ist gut dargestellt. Es geht in dem Buch nicht nur um Ehe, Mutterschaft und Freundschaft, sondern auch um bedeutende Lebensveränderungen und feministische Literatur. Darüber hinaus hat die Autorin politische Ereignisse des Jahres 1963 in den Roman einfließen lassen. Die Episode mit Jackie Kennedy kurz vor der Ermordung des Präsidenten fand ich allerdings wenig realistisch und daher überflüssig. Der Blick auf das Jahr 2006 war zwar interessant, dennoch empfand ich das Ende des Romans als recht unrealistisch und ein wenig kitschig.

Auch wenn das Buch ein paar Längen hatte und teilweise vorhersehbar war, habe ich mich insgesamt gut unterhalten gefühlt.