Mehr Gesellschaftsroman als Thriller

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b.rose.na Avatar

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Für mich war Der Clan – Die Straße weniger ein klassischer Thriller als vielmehr ein gesellschaftskritischer Roman mit einzelnen spannenden Momenten. Wer einen rasanten Thriller mit konstantem Nervenkitzel erwartet, bekommt hier definitiv etwas anderes. Ich könnte mir allerdings gut vorstellen, dass die eigentliche Spannung erst in den kommenden Bänden stärker zum Tragen kommt.

Besonders positiv hervorheben möchte ich die intensive Recherche und den realistischen Blick auf organisierte Kriminalität. Pascal Engman zeichnet kein simples Gut gegen Böse, sondern zeigt differenziert, wie Herkunft, Abhängigkeiten, Loyalität und fehlende Perspektiven Menschen prägen können. Dadurch bekommt die Geschichte eine erschreckende Authentizität und gesellschaftliche Tiefe.

Auch die unterschiedlichen Perspektiven sorgen für ein vielschichtiges Gesamtbild. Gleichzeitig war genau diese Fülle für mich die größte Hürde. Viele Figuren, Zeitsprünge und Handlungsstränge lassen den Roman sehr breit werden, während mir lange der zentrale erzählerische Sog gefehlt hat.

Mit seinen 576 Seiten habe ich für dieses Buch ungewöhnlich lange gebraucht. Nicht, weil der Schreibstil schlecht wäre, sondern weil mich die Handlung einfach nicht konstant genug festhalten konnte. Dazu kommt, dass Clan- und Bandenkriminalität persönlich nicht unbedingt zu meinen bevorzugten Themen gehört.

Trotzdem macht mich Band zwei neugierig. Dieser Auftakt wirkt wie ein großes Fundament, auf dem nun alles aufgebaut werden kann. Und genau deshalb kann ich mir gut vorstellen, dass die Fortsetzung wesentlich intensiver wird.

Realistisch, facettenreich und hervorragend recherchiert, für mich aber nicht durchgehend fesselnd genug.