so mitreißend, emotional und wundervoll

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
petzi_maus Avatar

Von

Die Geschichte spielt von Juli bis Oktober 1933 in Oxford, Mississippi. Man liest abwechselnd aus Sicht der 24jährigen, unverheirateten Birdie Calhoun und der 11jährigen Meg Lafleur, die im Waisenhaus untergebracht ist.
Birdie lebt mit ihrer Mama und Meemaw im Delta, und besucht ihre Schwester Frances in Oxford, die dort mit ihrem wohlhabenden Ehemann und ihrer Schwiegermutter lebt, um sie um Geld anzubetteln.
Die soziale Darstellung der damaligen Zeit (Prohibition, niemand hat Geld, sehr viele Familien verlieren ihre Häuser, weil sie die Grundsteuer nicht mehr zahlen können, überall wird angeschrieben usw.) und die Stellung der Frau, sowie der POC, wird authentisch und eindrücklich dargestellt. Die ganze Geschichte hat so viel Lebendigkeit und Authentizität, man fühlt sich mitten in der damaligen Zeit in Mississippi. Auch die Ausdrucksweisen, Bezeichnungen unterstreichen dies. Besonders hat mir gefallen, dass die direkte Rede oft in Umgangssprache der niedrigeren Bildungsschichten verfasst war, das hat alles noch glaubwürdiger gemacht. Es war einfach alles so heuchlerisch zur damaligen Zeit, einfach nur schrecklich, und ich habe mit den Frauen (und Mädchen) so sehr mitgelitten. Auch wenn ich Birdie manchmal einfach hätte schütteln können: warum steht sie nicht für sich ein? Warum traut sie sich manche Dinge nicht? Aber so war es wohl damals...

Anfangs fragt man sich, warum genau diese beiden Menschen ihre Geschichte erzählen. Sie haben ja nichts gemein. Doch nach und nach ergeben sich Verknüpfungen, die mitreißend und emotional sind.
Meg ist so ein aufgewecktes, intelligentes Mädchen, das mit dem Verlust seiner Mutter nur schwer klarkommt. Denn ihre Mutter Charlie wollte nur kurz etwas einkaufen und ist nie wieder aufgetaucht. Und Meg versucht nun einfach, bestmöglich im Waisenhaus klar zu kommen. Was ihr dessen Leiterin jedoch nicht leicht macht.
Birdie ist so liebevoll und empathisch, sie versucht immer das Beste für alle. Auch für ihre Schwester Frances, die sich sehr oft wie ein richtiges Biest verhält, was ihr gar nicht auffällt. Manchmal hat sie aber auch liebevolle Seiten.
Und so überrascht es nicht, dass nach einer (für mich nicht ganz so überraschenden) schicksalhaften Wendung viel Kreativität und Courage gefragt ist, für die Umsetzung einer gefährlichen Idee, um das Leben wieder in halbwegs geordnete Bahnen zu lenken - und dabei hat Birdie unerwartete Hilfe. Es war einfach sooo lustig zu lesen, als die Mieterinnen im Haus eingezogen sind!

Ich fand es etwas befremdlich, dass bei so einem Buch - wo man ja anhand der Inhaltsangabe genau weiß, worum es geht - in heutigen Zeiten trotzdem eine editorische Notiz abgedruckt werden muss, in der vermerkt ist, dass die an manchen Stellen vorkommende rassistische und diskriminierende Sprache nur der korrekten historischen Darstellung des Alltagsrassismus zur damaligen Zeit in den USA geschuldet ist - das sollte ja wohl selbstverständlich sein, da die Geschichte nunmal in den 1930ern spielt und es damals eben genau so war.
Und ich bin einfach nur begeistert von dieser mitreißenden und bewegenden Geschichte der beiden mutigen Frauen, die authentisch die Gesellschaftsstruktur der 1930er in Mississippi, die riesengroße Schere zwischen Arm und reich, weiß und farbig, Männern und Frauen, wiedergibt.


Fazit:
Eine authentische, mitreißende und emotionale Darstellung der sozialen Gefüge im Mississippi der 30er, als Frauen kaum Rechte hatten und alles einfach nur heuchlerisch war. Mit zwei wahnsinnig sympathischen, empathischen und mutigen Protagonistinnen.