Freiheit, Aufbruch, Umbruch - Die Geschichte der Lister Bücherfrauen geht weiter
Ein halbes Jahr nach ihrem ereignisreichen Aufenthalt bei Fenja Lorenzen im Listland auf Sylt kehrt die Journalistin und Podcasterin Anna auf die Insel zurück, um nach Fenjas verschwundener Schwester Martje zu suchen und den Fragen, die bei ihrer ersten Recherche offengeblieben sind, nachzugehen. Martjes Spur führt Anna weit in die Vergangenheit, weg von Sylt auf die nordfriesischen Schwesterinseln und bis nach Husum. In der Gegenwart führt sie das Schicksal erneut mit Fenjas Sohn Eric zusammen, in den sie sich verliebt hat, der sich aber für seine Familie entschieden hatte. Inmitten des Gefühlswirrwarrs versucht Anna herauszufinden, was damals mit Martje wirklich geschah.
Wunderschön geschriebene Fortsetzung des ersten Bandes, der in bewährter Manier auf zwei Zeitebenen die Geschichte Annas und Fenjas fortführt und aufdeckt, was damals mit Fenjas Schwester Martje geschah. Aus den Perspektiven Annas in der Gegenwart und der Martjes in der Vergangenheit kommen nach und nach die mal tragischen, mal aufregenden Ereignisse aus Martjes Leben an Licht. Originelle Einschübe sind erneut die Passagen aus der Sicht eines Hauses, der Hütte im Dünental, die die Geschichte in ihren schützenden Wänden hautnah miterlebt und kommentiert.
Die Autorin bleibt ihrem Stil treu und spinnt in gefühlvoller, nie kitschiger Manier sehr kenntnisreich und mit Liebe zu Land und Leuten und zur Literatur die Geschichte der Lister Bücherfrauen und ihrer Biografin Anna weiter. Gekonnt verwebt sie Vergangenheit und Gegenwart und führt uns Schritt für Schritt, wie Bo der Klabautermann, aus dem Nebel der Nordsee zur Erkenntnis. Annas Rechercheergebnisse in der Gegenwart stehen dabei in direktem Verhältnis zur Geschichte Martjes in der Vergangenheit, ohne dass sich das Erzählte doppelt. Wie in einer Zeitreise begegnen sich die Figuren mitunter unbewusst und im Geheimen und erst im Nachhinein hebt sich der Vorhang.
Ich mochte erneut besonders Anna und ihre kluge, ruhige und zugewandte Art, ihre Hartnäckigkeit und nichts zuletzt ihre Emotionalität. Sie ist tief verwoben mit der Geschichte der Bücherfrauen und des Landstrichs und kann nicht mehr ohne leben. In ihrer Verliebtheit zu Eric versucht sie vernünftig zu sein, kommt aber nicht gegen ihre Gefühle an. Sie ist offen für neue Erkenntnisse und Menschen und jeder bekommt einen Platz in ihrem Herzen. Ihre eigene Geschichte in der Vergangenheit wird leider gar nicht mehr erwähnt, stattdessen wird der Fokus auf Gegenwart und Zukunft gelegt. Sie ist definitiv eine starke Hauptfigur.
Mit der Figur der Martje hingegen wurde ich nicht so richtig warm. Anders als beim ersten Band mit Fenjas Mutter und Großmutter konnte ich nicht so mit ihr mitleben, weil ich ihre Entscheidung oftmals nicht nachvollziehen konnte. Sie handelt inkonsequent und egoistisch, ist defensiv und in meinen Augen zwar eigenwillig, aber nicht unbedingt willensstark. Etwa verwischt sie bewusst ihre Spuren nach dem Unglück und verschwendet dabei keinen Gedanken an ihre sich sorgende Familie, dann wieder vermisst sie sie und fragt sich, wie es ihnen wohl geht. Dabei müsste sie nur Kontakt aufnehmen. Warum sie keinen Weg zurück mehr sieht, erschloss sich mir nicht. Auch Gespräche zur Lösung ihres Vaterkonflikts und jegliche weitere Annäherungsversuche blockt sie immer wieder ab und versinkt stattdessen in Selbstmitleid und Trauer. Von Männern lässt sie sich fast willenlos benutzen, wie sie überhaupt ein sehr getriebener Mensch ist. Die Erkenntnis, dass sie eben wie die Frauen ihrer Familie auch eine Lister Bücherfrau ist, kommt ihr erst im hohen Alter. Ihre langsame Entwicklung und wenig ausgeprägte Selbsterkenntnis trübten phasenweise das Lesen ihrer Passagen etwas.
Fast schon ein bisschen zu flott ging es mir auf das Ende zu, bei dem sich alles zum Guten wendet. Ein bisschen mehr hintergründiges Drumherum hätte nicht geschadet. Sehr berührend fand ich aber die Wiedervereinigung der beiden Schwestern in ihrer Heimat und ihre verzeihende Zuneigung.
Fazit: Dieser zweite Band um die Lister Bücherfrauen ist ein schönes Wiedersehen lieb gewonnener Figuren und stilistisch einwandfrei. Die Geschichte liest sich sehr gut und man verfolgt gerne Annas Recherchen und die Ereignisse auf zwei Zeitebenen. Mit kleinen Abstrichen eine gelungene Fortführung der Familiengeschichte rund um die Lister Bücherfrauen und eine Hommage an den wilden, rauen und urigen Landstrich ihrer Heimat und ihrer Kultur.
Wunderschön geschriebene Fortsetzung des ersten Bandes, der in bewährter Manier auf zwei Zeitebenen die Geschichte Annas und Fenjas fortführt und aufdeckt, was damals mit Fenjas Schwester Martje geschah. Aus den Perspektiven Annas in der Gegenwart und der Martjes in der Vergangenheit kommen nach und nach die mal tragischen, mal aufregenden Ereignisse aus Martjes Leben an Licht. Originelle Einschübe sind erneut die Passagen aus der Sicht eines Hauses, der Hütte im Dünental, die die Geschichte in ihren schützenden Wänden hautnah miterlebt und kommentiert.
Die Autorin bleibt ihrem Stil treu und spinnt in gefühlvoller, nie kitschiger Manier sehr kenntnisreich und mit Liebe zu Land und Leuten und zur Literatur die Geschichte der Lister Bücherfrauen und ihrer Biografin Anna weiter. Gekonnt verwebt sie Vergangenheit und Gegenwart und führt uns Schritt für Schritt, wie Bo der Klabautermann, aus dem Nebel der Nordsee zur Erkenntnis. Annas Rechercheergebnisse in der Gegenwart stehen dabei in direktem Verhältnis zur Geschichte Martjes in der Vergangenheit, ohne dass sich das Erzählte doppelt. Wie in einer Zeitreise begegnen sich die Figuren mitunter unbewusst und im Geheimen und erst im Nachhinein hebt sich der Vorhang.
Ich mochte erneut besonders Anna und ihre kluge, ruhige und zugewandte Art, ihre Hartnäckigkeit und nichts zuletzt ihre Emotionalität. Sie ist tief verwoben mit der Geschichte der Bücherfrauen und des Landstrichs und kann nicht mehr ohne leben. In ihrer Verliebtheit zu Eric versucht sie vernünftig zu sein, kommt aber nicht gegen ihre Gefühle an. Sie ist offen für neue Erkenntnisse und Menschen und jeder bekommt einen Platz in ihrem Herzen. Ihre eigene Geschichte in der Vergangenheit wird leider gar nicht mehr erwähnt, stattdessen wird der Fokus auf Gegenwart und Zukunft gelegt. Sie ist definitiv eine starke Hauptfigur.
Mit der Figur der Martje hingegen wurde ich nicht so richtig warm. Anders als beim ersten Band mit Fenjas Mutter und Großmutter konnte ich nicht so mit ihr mitleben, weil ich ihre Entscheidung oftmals nicht nachvollziehen konnte. Sie handelt inkonsequent und egoistisch, ist defensiv und in meinen Augen zwar eigenwillig, aber nicht unbedingt willensstark. Etwa verwischt sie bewusst ihre Spuren nach dem Unglück und verschwendet dabei keinen Gedanken an ihre sich sorgende Familie, dann wieder vermisst sie sie und fragt sich, wie es ihnen wohl geht. Dabei müsste sie nur Kontakt aufnehmen. Warum sie keinen Weg zurück mehr sieht, erschloss sich mir nicht. Auch Gespräche zur Lösung ihres Vaterkonflikts und jegliche weitere Annäherungsversuche blockt sie immer wieder ab und versinkt stattdessen in Selbstmitleid und Trauer. Von Männern lässt sie sich fast willenlos benutzen, wie sie überhaupt ein sehr getriebener Mensch ist. Die Erkenntnis, dass sie eben wie die Frauen ihrer Familie auch eine Lister Bücherfrau ist, kommt ihr erst im hohen Alter. Ihre langsame Entwicklung und wenig ausgeprägte Selbsterkenntnis trübten phasenweise das Lesen ihrer Passagen etwas.
Fast schon ein bisschen zu flott ging es mir auf das Ende zu, bei dem sich alles zum Guten wendet. Ein bisschen mehr hintergründiges Drumherum hätte nicht geschadet. Sehr berührend fand ich aber die Wiedervereinigung der beiden Schwestern in ihrer Heimat und ihre verzeihende Zuneigung.
Fazit: Dieser zweite Band um die Lister Bücherfrauen ist ein schönes Wiedersehen lieb gewonnener Figuren und stilistisch einwandfrei. Die Geschichte liest sich sehr gut und man verfolgt gerne Annas Recherchen und die Ereignisse auf zwei Zeitebenen. Mit kleinen Abstrichen eine gelungene Fortführung der Familiengeschichte rund um die Lister Bücherfrauen und eine Hommage an den wilden, rauen und urigen Landstrich ihrer Heimat und ihrer Kultur.