Von zwei ungleichen Schwestern, die sich nach 60 Jahren endlich wiederfanden
„Der Duft des Strandhafers“ von Gabriella Engelmann hat mich einfach absolut verzaubert und gepackt. Der erste Blick auf das Cover reichte bereits, um mich in die hochwertige Haptik des Buches zu verlieben und ins Träumen zu geraten. Die wundervoll zarten Pastellfarben, eine einladende Bank mit Meeresblick… Der Roman, erschienen im Verlag Droemer Knaur, ist der zweite Teil und Abschluss der Dilogie „Die Bücherfrauen von Listland“, mit dem Vorgängerband „Der Gesang der Seeschwalben“ platzierte sich die Autorin 2025 erfolgreich auf den Bestseller-Listen. Man muss diesen allerdings nicht zwingend vorher gelesen haben, ich kam problemlos in die Geschichte. Der Roman erzählt von der dramatischen Suche nach der seit über sechs Jahrzehnten vermissten Martje. Dafür kehrt die Journalistin Anna März auf die Insel Sylt zurück. Denn hier verschwand die junge Frau nach einer Sturmnacht im Jahr 1958 und seither sucht ihre um 2 Jahre jüngere Schwester, die 85-jährige Bücherfrau Fenja Lorenzen, nach ihr. Anna gibt sich an die Recherche und es beginnt eine packende und sehr emotionale Suche. Sie führt tief in die Vergangenheit, eine komplizierte, teilweise erschütternde Familiengeschichte, die Unausgesprochenes und Geheimnisse in sich birgt. Wenn Gabriella Engelmann dann aus der Sicht von Martje schreibt, wird es sehr emotional. Denn hier taucht sie tief ein in das Seelenleben. Das Verhältnis der ungleichen Schwestern war seit der Kindheit ambivalent und immer belastet, warum, das lässt uns die Schriftstellerin sukzessive in diesem ergreifenden Roman erfahren. Sie schreibt dabei im Wechsel auf zwei Zeitebenen, meisterhaft verwebt sie dabei Gegenwart und Vergangenheit, wodurch eine spannende und unfassbar fesselnde Atmosphäre entsteht. Ich konnte jedenfalls das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Der Erzählstil bleibt dabei kontinuierlich ruhig und einfühlsam, warmherzig und emotional. Dabei ist die Autorin niemals ins Kitschige abgerutscht. Die Romanfiguren wurden so exzellent beschrieben und mit Wärme und Tiefe bedacht, dass man einfach immer mittendrin im Geschehen war und mitfühlte. Der Mix aus kompliziertem Familiengeflecht mit überraschenden Wendungen und tiefen Emotionen gepaart mit bildhaften Beschreibungen der malerischen Inselwelten rund um Sylt, Amrum oder Föhr machten die Lektüre für mich zu etwas ganz Besonderem. Ich fühlte mich einfach wohl beim Lesen, sowohl mein Herz als auch die Sinne wurden mit diesem Roman ausreichend versorgt. Dass hier die Liebe von Gabriella Engelmann sowohl zu den Inselwelten als auch zur Literatur deutlich zum Ausdruck kommt, verspürt man nahezu mit jedem geschriebenen Wort, häufiger streute sie auch diverse Buchzitate oder Hinweise auf Literatur ein. Ich gebe eine klare Empfehlung für das Buch und diese herausragende Schriftstellerin, die mir ein so tolles Leseerlebnis bereitet hat. Der bewegende Roman bietet nicht nur reichlich Wohlfühlmomente und Unterhaltung, sondern enthält für mein Empfinden auch wichtige Botschaften für das eigene Leben.