Zwei Schwestern, eine Heimat
Hörnum, 1958. Die beiden Schwestern Martje und Fenja stehen sich nicht mehr so nahe wie in ihrer Kindheit, seit der Vater Fenja eine Zeit mit aufs Festland genommen hat. Die Familiengeschichte hat vor allem Martje erschüttert. Sie würde am liebsten weit weg von ihrer Heimat ein neues Leben beginnen. Davon verrät sie nicht einmal ihrer Freundin Inge etwas. Gemeinsam mit ihrer großen Liebe Hark flieht sie in einer stürmischen Nacht von der Insel. Seitdem hat niemand mehr von ihr gehört. Allerdings sind die Planken seines Bootes angespült worden.
Gabriella Engelmann setzt mit diesem Roman die Dilogie um die Bücherfrauen von Listland fort. Wie schon in Der Gesang der Seeschwalben wird das nordfriesische Lebensgefühl spürbar. Die Journalistin Anna recherchiert auf Fenjas Bitte den Verbleib von deren Schwester Martje. Für diese Zwecke reist sie nicht nur nach Sylt, sondern auch auf die Nachbarinseln Föhr und Amrum sowie nach Husum. Martje hat seit 1958 wenige Spuren hinterlassen, die nun mühevoll aufgedeckt werden. Die beiden Erzählstränge lassen dabei ein umfangreiches Bild entstehen. Man versteht, wie die Schwestern den Verlust wahrgenommen haben. Man fühlt ihre Heimatverbundenheit nach und die Suche nach dem Lebensglück. Es geht außerdem um Identität und Zugehörigkeit. Nicht nur Martje fühlt sich entwurzelt, sondern auch Fenja spürt die Lücke, die ihre Schwester hinterlassen hat. Das Familiengefüge hatte sich seitdem gravierend verändert. Martje hatte nicht bedacht, dass sich sowohl ihre Großmutter als auch ihre Mutter sorgen und mit ihrer unbestätigten Trauer zurechtkommen müssen.
Verwischte Spuren und emotionales Erbe
Der Blick in die Vergangenheit beschreibt vorwiegend Martjes Lebensweg. Sie hatte Glück im Unglück. Der Amrumer Vogelwächter findet die junge Frau am Strand, nimmt sie in seiner Hütte auf und stellt auch keine Fragen, nachdem Martje sich wieder erholt hat. Vielmehr gibt er sie als Verwandte aus, was auch die Inselbewohner im Laufe der Zeit als Wahrheit übernehmen. Zögerlich knüpft Martje erste Kontakte. Erst als sie die Musiklehrerin Keike trifft, die mit Hark verwandt ist, wagt sie es, ein bisschen mehr über ihre Herkunft zu erzählen. Keike ist eine loyale Freundin, ebenso wie Fee. Die beiden verraten niemanden, wer sich hinter dem Namen verbirgt. Von daher ist es auch für Anna schwer, den Lebensweg der verlorenen Schwester zu rekonstruieren. Beide Perspektiven verdeutlichen, was die Bindung innerhalb einer Familie bedeutet. Der Bruch trägt in diesem Fall eher dazu bei, dass die Geborgenheit innerhalb einer Gemeinschaft sichtbarer wird und der tiefsinnige Roman bekommt Tiefe.
Mit Der Duft von Strandhafer schließt Gabriella Engelmann ihre Sylt-Dilogie stimmig und emotional ab. Die Geschichte überzeugt durch ihre feinfühlige Figurenzeichnung, die dichte Atmosphäre und den sensiblen Umgang mit Verlust, Schuld und Zugehörigkeit. Besonders eindrucksvoll ist die Gegenüberstellung von familiärem Bruch und neu entstehender Geborgenheit innerhalb einer Gemeinschaft. Die wechselnden Perspektiven machen deutlich, dass ungelöste Fragen über Generationen hinweg nachwirken können. Engelmann gelingt ein tiefgründiger Wohlfühlroman, der berührt, ohne zu beschönigen, und der zeigt, dass Heimat manchmal dort entsteht, wo man den Mut findet, sich neu zu verwurzeln.
Gabriella Engelmann setzt mit diesem Roman die Dilogie um die Bücherfrauen von Listland fort. Wie schon in Der Gesang der Seeschwalben wird das nordfriesische Lebensgefühl spürbar. Die Journalistin Anna recherchiert auf Fenjas Bitte den Verbleib von deren Schwester Martje. Für diese Zwecke reist sie nicht nur nach Sylt, sondern auch auf die Nachbarinseln Föhr und Amrum sowie nach Husum. Martje hat seit 1958 wenige Spuren hinterlassen, die nun mühevoll aufgedeckt werden. Die beiden Erzählstränge lassen dabei ein umfangreiches Bild entstehen. Man versteht, wie die Schwestern den Verlust wahrgenommen haben. Man fühlt ihre Heimatverbundenheit nach und die Suche nach dem Lebensglück. Es geht außerdem um Identität und Zugehörigkeit. Nicht nur Martje fühlt sich entwurzelt, sondern auch Fenja spürt die Lücke, die ihre Schwester hinterlassen hat. Das Familiengefüge hatte sich seitdem gravierend verändert. Martje hatte nicht bedacht, dass sich sowohl ihre Großmutter als auch ihre Mutter sorgen und mit ihrer unbestätigten Trauer zurechtkommen müssen.
Verwischte Spuren und emotionales Erbe
Der Blick in die Vergangenheit beschreibt vorwiegend Martjes Lebensweg. Sie hatte Glück im Unglück. Der Amrumer Vogelwächter findet die junge Frau am Strand, nimmt sie in seiner Hütte auf und stellt auch keine Fragen, nachdem Martje sich wieder erholt hat. Vielmehr gibt er sie als Verwandte aus, was auch die Inselbewohner im Laufe der Zeit als Wahrheit übernehmen. Zögerlich knüpft Martje erste Kontakte. Erst als sie die Musiklehrerin Keike trifft, die mit Hark verwandt ist, wagt sie es, ein bisschen mehr über ihre Herkunft zu erzählen. Keike ist eine loyale Freundin, ebenso wie Fee. Die beiden verraten niemanden, wer sich hinter dem Namen verbirgt. Von daher ist es auch für Anna schwer, den Lebensweg der verlorenen Schwester zu rekonstruieren. Beide Perspektiven verdeutlichen, was die Bindung innerhalb einer Familie bedeutet. Der Bruch trägt in diesem Fall eher dazu bei, dass die Geborgenheit innerhalb einer Gemeinschaft sichtbarer wird und der tiefsinnige Roman bekommt Tiefe.
Mit Der Duft von Strandhafer schließt Gabriella Engelmann ihre Sylt-Dilogie stimmig und emotional ab. Die Geschichte überzeugt durch ihre feinfühlige Figurenzeichnung, die dichte Atmosphäre und den sensiblen Umgang mit Verlust, Schuld und Zugehörigkeit. Besonders eindrucksvoll ist die Gegenüberstellung von familiärem Bruch und neu entstehender Geborgenheit innerhalb einer Gemeinschaft. Die wechselnden Perspektiven machen deutlich, dass ungelöste Fragen über Generationen hinweg nachwirken können. Engelmann gelingt ein tiefgründiger Wohlfühlroman, der berührt, ohne zu beschönigen, und der zeigt, dass Heimat manchmal dort entsteht, wo man den Mut findet, sich neu zu verwurzeln.