Zwei Schwestern im Listland

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meisterlampe Avatar

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Inhalt siehe Klappentext.
Ich habe vor einem knappen Jahr den ersten Teil der Dilogie gehört, konnte mich aber zu Beginn von Band zwei nur noch wage an die Personen erinnern. Nach der Leseprobe kam ich langsam wieder auf Sylt an, was mir, genau wie Amrum und Föhr, persönlich bisher, ausser aus Büchern, unbekannt ist. Husum dagegen kenne ich. Ich finde Familiengeschichten, die in mehreren Zeitebenen spielen, faszinierend und aufregend, weil die Menschen aus der Gegenwart etwas über die Vergangenheit erfahren, vielleicht sogar noch Personen aus dieser Zeit treffen und kennenlernen, die ihnen hautnah von früheren Ereignissen berichten können. So gibt es zumindest kleine Chancen, Familiengeheimnisse zu lüften. Gabriella Engelmann beschreibt die Umgebung, Landschaft, Lebewesen so, dass sich auch Personen, die noch nicht auf den Nordfriesischen Inseln waren, relativ viel gut vorstellen können, z. B. die unterschiedlichen Gräser und Gewächse, diverse Vogelarten, Menschen.
Mich machte es bereits im ersten Band traurig, dass Friso damals mit seiner Tochter Fenja verschwunden ist und seine andere Tochter Martje zurückgelassen hat. Als Fenja zurückkommt, stimmt es nicht mehr zwischen den Schwestern. Martje kreidet es Fenja an, dass man sie getrennt hat. Ich kann mir vorstellen, dass Martje deshalb außerhalb eine Stelle angenommen und sich auf den Abenteurer Hark eingelassen hat, um zu zeigen, sie braucht die Familie nicht. Nach dem Schiffsunglück und der damit verbundenen Straftat Harks fühlt sich Martje mitschuldig, gibt sich als jemand anderes aus und will einfach vergessen und in Ruhe leben. Was ist wirklich passiert, dass Martje bis zur Gegenwart verschwunden bleibt und bis auf die eine, zufällige Begegnung mit Fenja auf Amrum kein Kontakt zwischen den Schwestern besteht? Wie verbittert oder verletzt muss man sein, um einserseits seine Familie aus seinem Leben auszuschließen, andererseits online immer auf dem Laufenden über die Schwester zu sein? Das widerspricht sich für mich. Immerhin scheint Martje in Fee eine sehr gute Freundin und Unterstützerin gefunden zu haben, die ihr auch über den Tod von Nanning und Hark hinweg zur Seite steht.
Es ist sicher für die Stipendiatin Leevke nicht einfach, das Manuskript von Martjes Vater Marten Behlau zu beenden, den sie ja nicht kannte; ebenso ist Anna März immer noch auf der Suche nach Puzzleteilen für ihre Biographie über Fenja Lorenzen. Die erste Begegnung zwischen Leevke, Anna und Fenja fand ich sehr unterkühlt und welche Kettenreaktion dieses Aufeinandertreffen auslöst und wer im Endeffekt wie mit wem verknüpft, verwandt oder was auch immer ist - das lest ihr am besten selbst. Das Buch mit dem herrlichen Titelbild, eine alte verwitterte Bank im Vordergrund, im Hintergrund ein Boot im Sonnenuntergang und alles umrahmt von Sand, Strandhafer (den man auf Papier leider nicht riechen kann) und Meer liest sich mit seinen 320 Seiten ziemlich flüssig. Die Kapitel sind aufgeteilt in Fenja, Martje (hier sogar Vergangenheit und Gegenwart), Anna und Leevke. Mir persönlich wurden die „Bücherfrauen von Listland“ diesmal zu knapp erwähnt, ich glaube, im ersten Teil war dies stärker hervorgehoben. Es wird jedoch über deren Recherche- und ehrenamtliche Arbeit im Buch erwähnt, ein Job, der sicher wenig Geld bringt, dafür umso mehr Freude und Erfüllung, wenn man für Nordfriesland und Bücher lebt und liebt. Mir war die „Auflösung“ und Zusammenführung dann doch zu plötzlich und etwas zu vorhersehbar, dafür gibt es dann 4,5 Sterne, natürlich mit Leseempfehlung, denn ich habe mich den Inseln nahe gefühlt und konnte den Kopf freibekommen beim Lesen.