**zwischen hilfreichen Tipps und gefährlicher Vereinfachung
Da ich selbst an Endometriose leide, bin ich mit entsprechendem Interesse, aber auch mit einer gewissen Erwartungshaltung an dieses Buch herangegangen. Gerade deshalb hat mich manches darin nicht nur enttäuscht, sondern teilweise wirklich wütend gemacht.
Zunächst möchte ich die positiven Aspekte erwähnen: Das Buch ist übersichtlich gestaltet, verständlich geschrieben und bietet viele praktische Anregungen für den Alltag. Die Rezepte fand ich nett und durchaus alltagstauglich, und auch Tipps zum Zyklus-Tracking, zur Selbstbeobachtung und zum Umgang mit Stress können für Betroffene hilfreich sein. Der Gedanke, den eigenen Körper besser kennenzulernen und selbst etwas für das eigene Wohlbefinden tun zu können, ist grundsätzlich sinnvoll.
Mein großes Problem ist allerdings die Art und Weise, wie Ernährung und andere Lebensstilmaßnahmen dargestellt werden. Für mich entsteht beim Lesen immer wieder der Eindruck, dass Endometriose mit der richtigen Ernährung, dem Verzicht auf bestimmte Lebensmittel oder Stoffe, Meditation und anderen Veränderungen des Lebensstils praktisch „in den Griff zu bekommen“ sei. Genau hier hätte ich mir als selbst Betroffene wesentlich mehr wissenschaftliche Differenzierung gewünscht.
Besonders sauer gemacht hat mich eine Aussage relativ am Anfang des Buches: „Endometriose ist keine diffuse Krankheit. Sie ist eine Entzündung. Und gegen Entzündungen kann jede Frau etwas tun.“ Diese Vereinfachung finde ich höchst problematisch. Endometriose ist eine chronische Erkrankung. Entzündliche Prozesse spielen bei ihr zwar eine wichtige Rolle, aber Endometriose einfach mit einer Entzündung gleichzusetzen, wird der Komplexität der Erkrankung meiner Meinung nach nicht gerecht. Die Ursachen sind bis heute nicht vollständig geklärt, und gerade deshalb finde ich die Aussage „gegen Entzündungen kann man etwas tun“ als Botschaft an Betroffene ausgesprochen unglücklich.
Auch wissenschaftlich ist die Sache deutlich komplizierter, als das Buch teilweise vermittelt. Die aktuelle deutsche Leitlinie empfiehlt grundsätzlich eine gesunde, vitamin- und ballaststoffreiche Ernährung, betont aber gleichzeitig, dass die Studienlage zu speziellen Ernährungsformen bei Endometriose noch keine verlässlichen Aussagen über deren Wirkung zulässt. Von speziellen Diäten ohne entsprechende Indikation wird sogar abgeraten. Auch internationale Leitlinien weisen darauf hin, dass die Evidenz für viele nicht-medikamentöse Maßnahmen, darunter Ernährung, derzeit begrenzt ist.
Genau das fehlt mir im Buch: eine klare Grenze zwischen „kann möglicherweise dabei helfen, Beschwerden zu lindern“ und „damit kann man die Erkrankung beeinflussen oder sogar lösen“. Als Betroffene weiß ich, wie verlockend die Vorstellung ist, mit der richtigen Ernährung endlich weniger Schmerzen zu haben. Aber gerade deshalb halte ich es für wichtig, hier keine falschen Hoffnungen zu wecken.
Denn Endometriose ist nicht einfach ein Problem, das entsteht, weil man sich falsch ernährt, zu viel Stress hat oder nicht die richtigen Lebensmittel isst. Wenn man Betroffenen vermittelt, sie müssten nur konsequent genug auf bestimmte Lebensmittel verzichten, meditieren, ihren Zyklus beobachten und den empfohlenen Lebensstil befolgen, kann daraus im schlimmsten Fall sogar ein Gefühl des persönlichen Versagens entstehen, wenn die Schmerzen trotzdem bleiben. Und genau diese Verantwortung möchte ich nicht bei den Betroffenen sehen.
Vielleicht ist die starke Fokussierung auf Ernährung dadurch erklärbar, dass Matthias Riedl aus der Ernährungsmedizin kommt. Das ist natürlich sein Fachgebiet und erklärt den Schwerpunkt des Buches. Für mich rechtfertigt das aber nicht, die Grenzen einer Ernährungsumstellung so wenig deutlich herauszustellen.
Trotz meiner Kritik möchte ich nicht sagen, dass alles im Buch schlecht ist. Die Rezepte sind eine schöne Ergänzung und einige der Alltagstipps können sicherlich sinnvoll sein. Wer bereits medizinisch gut betreut wird und zusätzlich ausprobieren möchte, welche Veränderungen der eigenen Ernährung oder des Lebensstils persönlich guttun, kann hier durchaus Anregungen finden.
Als selbst von Endometriose betroffene Leserin hätte ich mir von diesem Buch deutlich mehr wissenschaftliche Vorsicht und Differenzierung gewünscht. Ernährung kann meiner Meinung nach ein Baustein sein, aber sie ist keine Wunderwaffe und schon gar keine Garantie dafür, dass Endometriose verschwindet. Das Buch vermittelt mir an mehreren Stellen leider genau diesen Eindruck.
Ich würde es daher nur eingeschränkt empfehlen: als Sammlung von Rezepten und zusätzlichen Anregungen durchaus interessant, aber bitte mit einer gehörigen Portion Skepsis und auf keinen Fall als Ersatz für eine medizinische Behandlung.
Zunächst möchte ich die positiven Aspekte erwähnen: Das Buch ist übersichtlich gestaltet, verständlich geschrieben und bietet viele praktische Anregungen für den Alltag. Die Rezepte fand ich nett und durchaus alltagstauglich, und auch Tipps zum Zyklus-Tracking, zur Selbstbeobachtung und zum Umgang mit Stress können für Betroffene hilfreich sein. Der Gedanke, den eigenen Körper besser kennenzulernen und selbst etwas für das eigene Wohlbefinden tun zu können, ist grundsätzlich sinnvoll.
Mein großes Problem ist allerdings die Art und Weise, wie Ernährung und andere Lebensstilmaßnahmen dargestellt werden. Für mich entsteht beim Lesen immer wieder der Eindruck, dass Endometriose mit der richtigen Ernährung, dem Verzicht auf bestimmte Lebensmittel oder Stoffe, Meditation und anderen Veränderungen des Lebensstils praktisch „in den Griff zu bekommen“ sei. Genau hier hätte ich mir als selbst Betroffene wesentlich mehr wissenschaftliche Differenzierung gewünscht.
Besonders sauer gemacht hat mich eine Aussage relativ am Anfang des Buches: „Endometriose ist keine diffuse Krankheit. Sie ist eine Entzündung. Und gegen Entzündungen kann jede Frau etwas tun.“ Diese Vereinfachung finde ich höchst problematisch. Endometriose ist eine chronische Erkrankung. Entzündliche Prozesse spielen bei ihr zwar eine wichtige Rolle, aber Endometriose einfach mit einer Entzündung gleichzusetzen, wird der Komplexität der Erkrankung meiner Meinung nach nicht gerecht. Die Ursachen sind bis heute nicht vollständig geklärt, und gerade deshalb finde ich die Aussage „gegen Entzündungen kann man etwas tun“ als Botschaft an Betroffene ausgesprochen unglücklich.
Auch wissenschaftlich ist die Sache deutlich komplizierter, als das Buch teilweise vermittelt. Die aktuelle deutsche Leitlinie empfiehlt grundsätzlich eine gesunde, vitamin- und ballaststoffreiche Ernährung, betont aber gleichzeitig, dass die Studienlage zu speziellen Ernährungsformen bei Endometriose noch keine verlässlichen Aussagen über deren Wirkung zulässt. Von speziellen Diäten ohne entsprechende Indikation wird sogar abgeraten. Auch internationale Leitlinien weisen darauf hin, dass die Evidenz für viele nicht-medikamentöse Maßnahmen, darunter Ernährung, derzeit begrenzt ist.
Genau das fehlt mir im Buch: eine klare Grenze zwischen „kann möglicherweise dabei helfen, Beschwerden zu lindern“ und „damit kann man die Erkrankung beeinflussen oder sogar lösen“. Als Betroffene weiß ich, wie verlockend die Vorstellung ist, mit der richtigen Ernährung endlich weniger Schmerzen zu haben. Aber gerade deshalb halte ich es für wichtig, hier keine falschen Hoffnungen zu wecken.
Denn Endometriose ist nicht einfach ein Problem, das entsteht, weil man sich falsch ernährt, zu viel Stress hat oder nicht die richtigen Lebensmittel isst. Wenn man Betroffenen vermittelt, sie müssten nur konsequent genug auf bestimmte Lebensmittel verzichten, meditieren, ihren Zyklus beobachten und den empfohlenen Lebensstil befolgen, kann daraus im schlimmsten Fall sogar ein Gefühl des persönlichen Versagens entstehen, wenn die Schmerzen trotzdem bleiben. Und genau diese Verantwortung möchte ich nicht bei den Betroffenen sehen.
Vielleicht ist die starke Fokussierung auf Ernährung dadurch erklärbar, dass Matthias Riedl aus der Ernährungsmedizin kommt. Das ist natürlich sein Fachgebiet und erklärt den Schwerpunkt des Buches. Für mich rechtfertigt das aber nicht, die Grenzen einer Ernährungsumstellung so wenig deutlich herauszustellen.
Trotz meiner Kritik möchte ich nicht sagen, dass alles im Buch schlecht ist. Die Rezepte sind eine schöne Ergänzung und einige der Alltagstipps können sicherlich sinnvoll sein. Wer bereits medizinisch gut betreut wird und zusätzlich ausprobieren möchte, welche Veränderungen der eigenen Ernährung oder des Lebensstils persönlich guttun, kann hier durchaus Anregungen finden.
Als selbst von Endometriose betroffene Leserin hätte ich mir von diesem Buch deutlich mehr wissenschaftliche Vorsicht und Differenzierung gewünscht. Ernährung kann meiner Meinung nach ein Baustein sein, aber sie ist keine Wunderwaffe und schon gar keine Garantie dafür, dass Endometriose verschwindet. Das Buch vermittelt mir an mehreren Stellen leider genau diesen Eindruck.
Ich würde es daher nur eingeschränkt empfehlen: als Sammlung von Rezepten und zusätzlichen Anregungen durchaus interessant, aber bitte mit einer gehörigen Portion Skepsis und auf keinen Fall als Ersatz für eine medizinische Behandlung.