Ode an die Poesie

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therealmike Avatar

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Diese Leseprobe hat mich mit ihrer sanften, fast märchenhaften Grundstimmung überzeugt, auch wenn sie streckenweise sehr konstruiert wirkt. Louis, der hochsensible Gärtner mit seinem todkranken Kätzchen, ist eine anrührende Figur, sein stilles, fast wortkarges Wesen im Kontrast zu seiner körperlichen Größe funktioniert gut als Bild für die Diskrepanz zwischen äußerer Erscheinung und innerer Zerbrechlichkeit.

Die Idee, die Handlung immer wieder mit Gedichten zu verknüpfen, Thalie, die pensionierte Literaturlehrerin, die praktisch bei jeder Begegnung ein neues Gedicht parat hat, ist originell, wirkt aber auch angestrengt didaktisch. Die Rahmenhandlung um Louis und die Katze gerät dadurch fast zum Vorwand, um Trakl, Éluard, Neruda und andere unterzubringen. Besonders die Biografie Trakls, mit Inzest, Krieg und Drogentod, wird sehr ausführlich referiert und passt tonal nicht ganz zur märchenhaften Sturm-und-Katze-Rahmenhandlung, auch wenn der thematische Bezug zum Schweigen und zur Verstümmelung nachvollziehbar konstruiert ist.

Sehr schön gelungen ist dagegen die Liebesgeschichte zwischen Thalie und Nikola, mit den heimlich an die Tafel geschriebenen Gedichtzeilen, das hat echten Charme. Auch die Szene mit der Tierärztin Julia, die Louis über Lévi-Strauss und das Verhältnis von Mensch und Tier tröstet, ist berührend, wenn auch reichlich akademisch für ein Telefongespräch mit einem wortkargen Gärtner.

Ich bin gespannt, ob sich diese Balance zwischen kitschiger Grundgeschichte und gebildetem Gedicht-Referat im weiteren Verlauf noch austariert, und wie sich das Schicksal des namenlosen Kätzchens entwickelt.