Zwischen leiser Schwermut und großem Dichter-Redeschwall

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roswitha-böhm-gedankenteiler Avatar

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Das liest sich vom Grundton her wie eine dieser leisen, melancholischen Geschichten, die erst einmal ganz tief durchatmen, bevor sie überhaupt in Gang kommen. Man hat diesen riesigen, schweigsamen Kerl Louis, der die Pflanzen versteht, aber an der Welt da draußen fast zerbricht, und auf der anderen Seite ein winziges, schwerkrankes Kätzchen, das sich an seinen Daumen schmiegt. Wenn man selbst ein Herz für Tiere hat, zieht sich einem bei der Diagnose mit dem Tumor natürlich sofort der Magen zusammen. Diese stille Hilflosigkeit, wenn man das geliebte Wesen einfach nur festhält und hofft, dass man das Unabwendbare irgendwie wegstreicheln kann, geht verdammt nah.

Was den Text aber davor bewahrt, in reiner Rührseligkeit zu ertrinken, sind die schrägen Kontraste. Die Szene mit den unzähligen Kröten, die reglos in der Sonne hocken und ein Heiligenbild zum Wackeln bringen, hat fast etwas herrlich Skurriles – da musste ich unwillkürlich schmunzeln, weil es die schwere Stimmung ganz trocken aufbricht. Und dann platzt auch noch dieser windige Nachbar Baron mit seinen Tattoos und den großspurigen Hanf-Angeboten dazwischen. Das bringt sofort eine Prise raue Realität rein, die der Geschichte guttut.

Mit Thalie als pensionierter Lehrerin kommt natürlich ein ziemlicher Wirbelwind ins Spiel. Einerseits bringt sie genau das richtige Quäntchen Leben in Louis’ stille Einsiedelei, andererseits schlägt mir ihr ständiges Zitieren von Dichtern stellenweise fast einen Tick zu sehr auf Bildungsbürger-Romantik durch. Wenn jemand ungefragt mitten am Gartenzaun die halbe Lebens- und Drogengeschichte von Georg Trakl samt Inzest und Kriegstragödie herunterbetet, während der andere eigentlich nur mit seinem Kaffee dasteht, wirkt das schon arg belehrend und konstruiert. Dass Louis am Ende nach diesem ganzen Redeschwall erst einmal ohnmächtig in der Küche zusammenklappt, kann man ihm da fast nicht verübeln – ein bisschen weniger Literaturseminar mit dem Holzhammer hätte es an der Stelle auch getan.

Unterm Strich bleibt es aber eine erstaunlich stimmige, feinfühlige Leseprobe. Das Buch nimmt sich Zeit für die Verwundungen der Natur und der Seele, ohne gleich ins Kitschige abzudriften. Es ist keine aufgeregte Lektüre, sondern eher etwas für einen grauen Nachmittag mit einer warmen Tasse in der Hand, bei dem man einfach wissen will, ob dieser verschlossene Riese und sein kleines Findelkind gegen das drohende Schicksal am Ende doch noch ein Quäntchen Licht finden.