Roman oder Einführungsvorlesung?

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elke17 Avatar

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Mir hat sich bei Thomas Schlessers „Der Gärtner und die Katze“ unweigerlich der Vergleich mit „Monas Augen“ aufgedrängt. Das Konzept ist das Gleiche, eine Lehrer-Schüler-Situation. Ein Mensch in einer Krisen trifft auf jemanden mit speziellem Wissen, lange Gespräche folgen, in denen das Eintauchen in besagte Materie allmählich dafür sorgt, dass sich der Blick, nicht nur auf das Problem sondern auch auf die Welt, verändert.

Die Geschichte des Gärtners Louis, dessen Sorgen und Ängste um seine kranke Katze, dient lediglich als Rahmenhandlung, als Klammer für das eigentliche Thema, was in diesem Fall einer Einführungsvorlesung in die Poetik gleichkommt.

Der Autor ist von Haus aus Kunsthistoriker, lehrt an der École polytechnique in Paris, möchte sein Wissen nicht nur an seine Schüler/Studenten, sondern an die breite Masse weitergeben, wobei ich allerdings so meine Zweifel habe, ob das bei dieser weitgefassten Zielgruppe gelingen wird.

Man sollte schon Interesse an dem Thema mitbringen, um einen Mehrwert aus der Lektüre mitzunehmen, werden doch sehr viele Hintergrundinformationen (insbesondere solche, in denen es sehr theoretisch wird) eher staubtrocken präsentiert und laden nicht unbedingt dazu ein, tiefer in die Gedichtanalyse einzutauchen, selbst dann, wenn man durch ein entsprechendes Studium vorbelastet ist.

„Der Gärtner und die Katze“ war ein Buch, für das ich mir Zeit gelassen habe. Nichts, was ich an der Handlung entlang lesen konnte, sondern immer wieder zur Seite legen musste, um die unzähligen Informationen zu überdenken und zu verarbeiten. Ja, stellenweise war es zäh, hat aber dafür gesorgt, dass ich mal wieder die eingestaubten Gedichtbände aus den Regalen gezogen und mich in sie vertieft habe. Und das ist doch auch was.
3,5