Grenzgebiet an der Elbe

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Kea und ihr Vater, der Vollhöfner Jakob Loop, leben auf der preußischen Seite der Insel Finkenwerder. Die Familie des Vollhöfner Oskar Rentfeld auf der hamburgischen Seite. Zwischen beiden Vollhöfnern herrscht eine langjährige Fehde, deren Gründe am Ende dieses ersten Band nicht wirklich geklärt sind.

An der Grenze zwischen beiden Höfen versucht Kea den Apfelgarten ihrer vor Jahren verstorbenen Mutter wieder herzustellen. Insbesondere möchte sie den Geschmack des Lieblingsapfels ihrer Mutter wiederfinden. Dafür bekommt sie unerwartet Hilfe von Kristen, einem Häusling auf dem Rentfeld-Hof, Unterstützung.

Auf dem gelungenen Cover lädt Kea die Leser zum Spaziergang in ihrem Apfelgarten. Aus dem Garten strahlt ein helles Licht, heller als das von den dargestellten Ereignissen, wie der Cholera-Epidemie vom Sommer 1892 in Hamburg, die der Hansestadt einen hohen Blutzoll gekostet hat.

Die wahrheitsgemäßen, detaillierten Beschreibungen der Krankheit und der Gründe ihrer rasanten Verbreitung in Hamburg lassen erahnen, wieviel Herzblut in diesem Roman geflossen ist. Rebekka Eder bestätigt in ihrem Nachwort die Interessanten Umstände, die zu diesem faszinierenden historischen Roman geführt haben.

Obwohl ich lange Zeit in Hamburg gelebt habe, war mir die Teilung der Elbinsel Finkenwerder zwischen der Hansestadt und Preußen unbekannt. Zwei unterschiedliche Welten, die durch einen einfachen, zerbrechlichen Holzzaun getrennt waren… Eine Grenze, die zwischenzeitlich durchlässig war, aber auf dessen Überqueren während der Cholera-Epidemie die Todesstrafe stand… Es erinnerte mich teilweise an die Pandemie, die wir erlebt haben, bei der auch von einem Tag auf den anderen Grenzen zwischen Ländern, Bundesländern oder Landkreisen dicht gemacht wurden.

Nicht nur die Grenze zwischen zwei physischen Gebieten wird im ganzen Roman thematisiert. Genauso von Menschen gemacht, werden die Grenzen zwischen gesellschaftlichen Schichten und Geschlechtern von der Autorin auch durchleuchtet. Auch diese versuchen die Protagonisten zu überwinden.

Mit einigen zusätzlichen Nebendarstellern, wie Charlotte, Rosa oder Willi und einem lebhaften und flüssigen Schreibstil gelingt es der Autorin die schreckliche Bilder der Cholera-Epidemie aufzuhellen und die Samen für eine spannende Liebesgeschichte zu säen. Deswegen freue ich mich schon auf den zweiten Band „Der geheime Apfelgarten - Geteilte Träume“, um weitere besonderen Stunden im Alten Land mit Kea, Rosa, Willi und Kristen zu verbringen.