Liebesgeschichte und Sozialstudie
Bereits das Cover versetzt die LeserInnen in die Zeit der Handlung, an das Ende des 19. Jahrhunderts. Es zeigt die Protagonistin Kea an ihrem Lieblingsort, dem geheimen Apfelgarten. Die Geschichte spielt hauptsächlich auf der Elbinsel Finkenwerder und teilweise auch in Hamburg. Ich finde, dass gerade die unterschiedlichen sozialen Stände und deren Lebensweisen sehr gut thematisiert und beschrieben werden. Da gibt es die großen Vollhöfner und die einfachen Häuslinge, aber auch die reichen Kaufmannsfamilien in Hamburg und deren Bedienstete. Und natürlich die Grenze zwischen Hamburg und Preußen, die quer durch Finkenwerder verläuft. Die beiden Hauptprotagonisten Kea und Kristen gehören unterschiedlichen sozialen Schichten an und freunden sich aber dennoch an. Dies muss zwangsläufig zu Komplikationen führen. Beide Personen werden sehr liebevoll in ihren Charakteren gezeichnet, sodass man sie leicht kennenlernt und einschätzen kann. Dass dann auch noch die Cholera ausbricht, verleiht der Handlung eine Dramatik auf Leben und Tod. Hier sei angemerkt, dass die Autorin Rebekka Eder hervorragend über die Zeit der Cholera in Hamburg recherchiert hat. Man gewinnt beim Lesen ein sehr anschauliches Bild dieser Zeit. Auch die Nebenpersonen Rosa und Willi wachsen einem mit ihren jeweiligen besonderen Eigenschaften ans Herz. Keine einzige Seite des Buches ist überflüssig, man muss einfach weiterlesen und es gibt einige Überraschungen, mit denen man nicht wirklich rechnet. Ich freue mich bereits jetzt auf den zweiten Band, den man eigentlich gleich nach Ende des Buches lesen möchte. Ich gebe eine klare Leseempfehlung!