Die Chefin der Insel
Kristiane, Tochter eines Lotsen, wächst im 19. Jahrhundert als Vater-Tochter auf, die regelmäßig mit zum Leinenfischen auf Kabeljau hinausfährt. Die elende Schufterei der Leinenfischerei wünscht man niemandem, aber Kristiane liebt das Meer und ist leidenschaftliche Schwimmerin. Die Familie lebt in der Nähe von Ålesund an Norwegens Westküste von Fischfang und Schafzucht. Die Lizenz für die Lotsentätigkeit ist an den Hof gebunden und wird nach Ablegen der Lotsenprüfung in männlicher Linie vererbt. Kristiane, pflichtbewusst und durch die körperliche Arbeit deutlich muskulös, könnte zwar den Hof übernehmen, das „Los“, die Lotsennummer, kann jedoch nur der Mann erhalten, der Frau, Hof und Boot erheiratet. Nach dem Tod ihres ersten Mannes auf See ist Kristiane mit ihrem Jugendfreund Lars verheiratet, der bei ihrem Vater gelernt hat und ihrem Sohn Lisje-Anders ein liebevoller Vater ist. Mit dieser Heirat ist sie einer erzwungenen Vernunft-Ehe zuvorgekommen, die offensichtlich der Erbeutung von Boot und Los dienen sollte. Der Alltag mit der selbstbewussten Kristiane ist für Lars sicher kein leichtes Brot. Der ganze Ort profitiert jedoch davon, dass sie für die Fischer realistischere Preise ausgehandelt hat, nachdem sie erfuhr, wie viel der Großhändler beim Weiterverkauf an ausländische Aufkäufer verdient. Dennoch muss sie sich vom Pfarrer, der im Windschatten des Kaufmanns bei ihr auftaucht, Verwürfe wegen ihrer unchristlichen und unweiblichen Lebensweise anhören. Unübersehbar ist eine selbstbewusste Geschäftsfrau im 19. Jahrhundert unerwünschte Konkurrenz in einer reinen Männerbranche. Neben Kristianes Sehnsucht nach städtischem Glanz, einer unmöglichen Liebe und der Lebensrealität anderer Frauen in ihrem Umfeld beschäftigt sie der Traum vom Ausbau der Fischerei. Lars, dem sie damals kaum das Bestehen der Lotsenprüfung zutraute, zeigt sich auf dem Weg in die Expansion als überraschend kundiger Geschäftspartner. Da der zweite Band bereits angekündigt ist, haben Lars und Kristiane noch einiges zu erzählen.
Fazit
Kristiane als Person bin ich als Leserin gern gefolgt, der Text hat mich jedoch verloren, als der konkrete Bereich Fischerei und Lotsendienst, der ja tägliches Gesprächsthema gewesen sein wird, in den Hintergrund rückte zugunsten der Beziehungsebene. Ein Schiff, das frisch vom Stapel läuft, hat also weiße Segel und einen schwarzen Anker. Mit Focus auf einer Figur wie Kristiane, die am und auf dem Fjord aufgewachsen ist, finde ich diese Schilderung der seemännischen Seite zu landrattenhaft.
Mit diesem Roman und einer Frauenfigur, die im 19. Jahrhundert gegen erhebliche Widerstände in eine Männerdomäne eindringt, hat Trude Teige ihr Thema der „starken Frauen“ bereits 2002 erfolgreich begonnen. Ihre fiktive Figur Kristiane ist an Teiges Ururgroßmutter angelehnt, von der erzählt wird, sie sei Chefin ihrer Insel und vier Mal verheiratet gewesen.
Fazit
Kristiane als Person bin ich als Leserin gern gefolgt, der Text hat mich jedoch verloren, als der konkrete Bereich Fischerei und Lotsendienst, der ja tägliches Gesprächsthema gewesen sein wird, in den Hintergrund rückte zugunsten der Beziehungsebene. Ein Schiff, das frisch vom Stapel läuft, hat also weiße Segel und einen schwarzen Anker. Mit Focus auf einer Figur wie Kristiane, die am und auf dem Fjord aufgewachsen ist, finde ich diese Schilderung der seemännischen Seite zu landrattenhaft.
Mit diesem Roman und einer Frauenfigur, die im 19. Jahrhundert gegen erhebliche Widerstände in eine Männerdomäne eindringt, hat Trude Teige ihr Thema der „starken Frauen“ bereits 2002 erfolgreich begonnen. Ihre fiktive Figur Kristiane ist an Teiges Ururgroßmutter angelehnt, von der erzählt wird, sie sei Chefin ihrer Insel und vier Mal verheiratet gewesen.