Die Lotsennummer

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Am Lotsenhof auf einer kleinen norwegischen Fischerinsel lebt Kristiane gemeinsam mit ihrer Mutter, ihrer Schwester und ihrem Ehemann Anders. Als dieser auf hoher See den Tod findet, ist Kristiane gezwungen, die Lotsennummer ihrer Familie abzugeben oder sich einen neuen Ehemann zu suchen, der bereits als Lotse zugelassen ist oder die notwendige Prüfung ablegt. So lauten die klaren Regeln, welche das karge und entbehrungsreiche Leben im rauen Norwegen begleiten, eine Frau selbst hat wenig zu sagen und schon gar nichts zu entscheiden. Die junge Witwe steht vor einer schwierigen Wahl und kämpft für ihre Zukunft.

Eine wunderbare Erzählung, beruhend auf genauer Recherche und inspiriert von der eigenen Familiengeschichte, erwartet die geneigten Leser bei Trude Teiges erstem Roman, der nun erstmals auch auf Deutsch erscheint. Bewegende Szenen, präzise Charakterstudien und die Kulisse einer wilden Landschaft prägen das Geschehen. Mit ruhigen, dennoch eindringlichen Worten schildert Trude Teige Kristianes Schicksal, stellt deren Zwiespalt zwischen Tradition und Aufbegehren gegen scheinbar unabänderliche Strukturen bildlich dar. Wie auch in ihrer „Großmutter-Trilogie“ steht eine starke, mutige Frau im Mittelpunkt der Handlung. Fischerei und Schifffahrt sind zwar Sache der Männer, aber Kristiane will das nicht unwidersprochen hinnehmen, immer wieder trifft sie eigene Entscheidungen, wodurch sie ihre Nachbarn vor den Kopf stößt und auch gegen kirchliche Bevormundungen weiß sie sich zu wehren. Geht sie kluge oder falsche Wege? Das ist natürlich eine Frage der Sichtweise.

Trotz der Kürze von etwa 250 Seiten hat dieses Buch eine enorme Aussagekraft, kann es mit der knappen Handlung und der großartigen, vorherrschenden Atmosphäre absolut überzeugen. Ich empfehle diese großartige Geschichte uneingeschränkt weiter.