Ein langsamer Einstieg, der sich lohnt

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magdada Avatar

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„Gesang der See“ von Trude Teige war bereits mein viertes Buch der Autorin und dieses Mal fiel mir der Einstieg überraschend schwer. Die Geschichte braucht etwas Zeit, um sich zu entfalten, und ich habe deutlich länger gebraucht als bei ihren anderen Romanen, um wirklich hineinzufinden. Doch sobald ich angekommen war, konnte mich das Buch wieder in der für Teige typischen Weise fesseln.

Wer ihre späteren Werke kennt, wird den vertrauten Grundton sofort wiedererkennen: ruhig, ernst und emotional sehr präzise erzählt. Teige versteht es einmal mehr, große Themen leise, aber eindringlich zu verhandeln.

Etwas schade fand ich jedoch, dass die Nebenfiguren, insbesondere ihre Schwester, vergleichsweise blass bleiben. Hier hätte ich mir mehr Tiefe und Raum gewünscht, um die Beziehungen noch greifbarer zu machen.

Insgesamt ist „Gesang der See“ ein spannender Roman mit emotionaler Intensität, der jedoch auch einige Längen aufweist. Trotz kleiner Schwächen überwiegt für mich der positive Eindruck, vor allem aufgrund der starken Hauptfigur und der feinfühligen Erzählweise, die Teiges Werke auszeichnet.