Solide Unterhaltung

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marieon Avatar

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Lars fand Kristiane an einem Felsen bei Mulerika. Das Meer tobte in seinem Rücken, als er sich zu ihr hinunterbeugte. Sie hatte die Arme um ihre angewinkelten Beine geschlungen und war eiskalt.

Damals hatte sie ihm diesen Felsen gezeigt und als ihren bezeichnet, den Ort, an dem sie ihr Herz lüften konnte. Jeder sollte einen solchen Ort haben, sagte sie. Und dann hatte er sie einmal beobachtet, wie sie aus dem Meer schritt, halb nackt und sich zum Trocknen auf den Felsen legte, gerade wie ein Lineal. So etwas hatte er noch nie gesehen. Er wusste, dass sie schön war, hochgewachsen und schmal. Die Rennen mit ihm am Strand, das Rudern, Segeln und Einholen der Netze, hatte sie geformt. Lange hatten sie sich getroffen, bis seine Mutter ihm klar machte, er solle wissen, wo sein Platz sei. Wenn ihr Vater sterben würde, überließe er ihr den Lotsenschein und dann bräuchte sie einen, der das übernehmen könne und das konnte Lars nicht schaffen.

Er hob sie hoch und wuchtete sie den Hang hinauf, ließ sie ab, um Kraft zu sammeln, nahm sie wieder auf, stolperte mit ihr in das erstbeste Haus und ließ sie zu Boden gleiten. Olav und Jensine starrten ihn an. Jensine legte ein Schaffell aufs Bett, zog Kristiane die nassen Kleider aus und legte sie mit Lars auf die warme Tierhaut. Sie zog sich aus, legte sich neben Kristiane Brust an Rücken Knie in Kniekehlen und strich ihr über die kalte Haut. Jensine sah Lars an und sagte, das nicht sie das machen sollte, Kristiane habe ihr nie einen Grund gegeben, sie zu mögen.

Fazit: Trude Teige, Bestsellerautorin (als Großmutter im Regen tanzte) hat in ihrem ersten Buch eine Frau im rauen norwegischen Klima, in der Männerdomäne der Fischerei erzählt. Ich wollte wissen, was den Hype über Trude Teige ausmacht. Ihre Protagonistin verliert ihren Mann an die gewaltige See und bleibt mit seinem kleinen Sohn zurück. Da sie die Lotsennummer und damit das Einkommen, die sie von ihrem Vater geerbt hat, behalten will, muss sie wieder heiraten, denn der Beruf des Lotsen ist Männern vorbehalten. Kristiane ist ein gut gezeichneter, starker Charakter und sie beißt sich durch. Trude Teige hat in ihrem Erstling eine solide Geschichte geschrieben, die wegen der Konflikte einen hohen Unterhaltungswert hat. Ich mag historische Erzählungen sehr, habe also schon einige gelesen und hätte mir ein bisschen mehr der versprochenen Atmosphäre, ein bisschen mehr Naturgewalt, Landschaft, Meer, Wellen, Wind, Sturm und Felsen gewünscht. Für mich war nicht zu erkennen, wo die Geschichte spielt. Das hat William Heinesen in „Noatun“ besser gelöst. Doch nichts destotrotz habe ich diese Geschichte gerne gelesen. Für alle, die „Die Tage des Wals“ von Elizabeth O´Connor oder „Ein klarer Tag“ von Carys Davis mögen.