starke Frau zwischen Sehnsucht und Pflicht

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kraberg Avatar

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Kristiane lebt auf einer kleinen Fischer-Insel an der Westküste Norwegens. Ihr Vater ist Lotse, Fischer und betreibt auch etwas Landwirtschaft um die Familie zu ernähren. Sehr eindrucksvoll beschreibt Trude Teige, wie karg die Landschaft und damit das Leben der Inselbewohner ist und wie sehr sie von den Wetterbedingungen abhängig sind. Aber nun ist nicht nur der Vater, sondern auch Kristianes Ehemann bei einem Sturm uns Leben gekommen. Als Papa-Kind weiß sie was auf dem Hof und auch auf dem Meer zu tun ist. Sie kennt alle Handgriffe. Aber das Lotsenmandat, das zuletzt ihr Ehemann innehatte, darf nicht an eine Frau vergeben werden. Das heißt, sie muss sich kurzfristig einen Mann suchen, der diesen Job übernimmt. Sonst geht die Lotsen-Nummer an einen anderen Mann und eine andere Familie im Ort und Kristiane hatte doch auf dem Sterbebett ihrem Vater versprochen sich um alles zu kümmern. Oft war ich beeindruckt, wie Kristiane bei Auseinandersetzungen den Gesprächspartnern Paroli geboten hat. Egal ob Mann oder Frau. Klar war das oft impulsiv und ohne an die Auswirkungen zu denken, aber gleichzeitig hat es mir auch die Kraft, die in dieser Frau steckt und die Empathie bei Ungerechtigkeiten deutlich gemacht. Trotzdem waren meine Gefühle gegenüber Kristiane zwiegespalten. Auf der einen Seite hat sie wie ein Mann um den Erhalt des Lotsenhofs gekämpft. Wie sie sich, ihre Ängste überwindend, gegenüber der Männerwelt durchsetzt, alle Achtung. Auf der anderen Seite gibt sie, trotz ihrer neuen Eheschließung, der Sehnsucht nach einem anderen Mann nach, was so gar nicht zu ihrem Verantwortungsgefühl passt.
Das Buch hat mich kurzweilig unterhalten und mir Einblicke in eine völlig andere Zeit und Lebensweise gegeben. Von mir gibt’s 4 Lese-Sterne.