Toxische Konstrukte offengelegt

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brigitteb Avatar

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Sommer 1975 im Naturreservat der Adirondack Mountains: An diesem abgelegenen Ort verschwindet im alljährlichen Sommercamp ein Mädchen. Brisant: Sie ist die Tochter der Eigentümer des Lagers, eine einflussreiche New Yorker Bankiersfamilie, die hier ihren luxuriösen Zweitwohnsitz hat. Noch auffallender ist aber, dass vor einigen Jahren der Sohn dieser Familie ebenfalls spurlos verschwunden ist. Auf mehreren Zeitebenen blickt man auf diese Familie und ihr Umfeld. Es zeigen sich grosse Spannungen, Abgründe und patriarchale Muster. Den Ermittlern wird schnell klar, dass hinter der stilvollen Fassade aus altem Geld und grossem Einfluss jeder der Beteiligten etwas zu verbergen hat. Als auch noch ein verurteilter sadistischer Mehrfachmörder aus einem Gefängnis in der Region flüchtet, wird die Lage noch dringlicher.

Dieses Buch ist eine einnehmende Kombination aus psychologischem Drama und atemlosem Thriller. Mit viel Gespür für ihre Figuren lässt die Autorin ein Netz aus verlorenen Träumen, Lebenslügen und Machtmissbrauch entstehen. Sie zeigt auf erschreckende Weise, dass dysfunktionale Beziehungen auf jeder Ebene entstehen können und welche Auswirkungen Manipulation und Narzissmus haben. Ein Plus war für mich die Timeline am Anfang jedes Kapitels, damit konnte ich die Zeitsprünge problemlos bewältigen. Es hat mich berührt, dass die Autorin das ganz unterschiedliche Leid der einzelnen Protagonisten nie aneinander gemessen oder gewertet hat, weil jede toxische Beziehungskonstellation für sich schmerzhaft und eine zuviel ist.