Dänisches Thriller-Highlight!

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Mehr als sechs Jahre mussten wir auf einen neuen Fall mit Naia Thulin und Mark Hess warten, aber es hat sich definitiv gelohnt.
In seinem neuen Thriller „Der Kuckucksjunge“ hat Søren Sveistrup erneut einen sehr spannenden und zugleich düsteren Einstieg gewählt, der mich sofort fesselte.
Hab dich. Das ist die letzte beunruhigende Nachricht auf dem Handy einer geschiedenen Mutter, bevor sie spurlos aus Kopenhagen verschwindet. Naia Thulin wird zu dem Vermisstenfall hinzugezogen und erkennt sofort die Brisanz, denn exakt dieselbe Nachricht erhielt eine 19-jährige Schülerin, bevor sie brutal ermordet wurde. Erneut soll Thulin mit Mark Hess, ihrem ehemaligen Partner aus dem Fall des „Kastanienmanns“ zusammenarbeiten, dem sie eigentlich aus dem Weg gehen wollte. Doch ihr bleibt keine Wahl, als die Leiche der Verschwundenen auftaucht und es einen weiteren Vermisstenfall gibt. Während weitere Leichen auftauchen und neue Menschen verschwinden, verdichtet sich der Verdacht, dass ein Serienmörder am Werk ist, der ein perfides Spiel treibt.

Sveistrup beweist erneut, dass er zu den ganz Großen des skandinavischen Thrillers zählt. Sein Schreibstil ist klar, atmosphärisch dicht und enorm spannungsgeladen. Hier erkennt man den Drehbuchautor, denn es gelingt ihm ein fast filmisches Lesegefühl zu erzeugen. Kurze Kapitel mit Cliffhangern und wechselnden Perspektiven sorgen zusätzlich für ein hohes Lesetempo und halten die Spannung konstant aufrecht. Der genial konstruierte Plot fesselt von der ersten bis zur letzten Seite und macht es sehr schwer das Buch aus der Hand zu legen. Obwohl das Buch über 600 Seiten hat, fand ich keine einzige Zeile überflüssig und ich habe es förmlich verschlungen.

Die Figuren sind vielschichtig und glaubwürdig gezeichnet. Naia Thulin überzeugt erneut als starke, aber verletzliche Ermittlerin, während Mark Hess mit seiner Verschlossenheit und inneren Zerrissenheit zusätzliche Tiefe in die Geschichte bringt. In einer Nebenhandlung erfahren wir mehr über seinen familiären Hintergrund, nämlich seine Beziehung zu seinem älteren Bruder Jon, was ihn im Verlauf der Handlung nahbarer macht. Die komplizierte Arbeitsbeziehung der beiden, ihre persönlichen Schwächen und inneren Konflikte verleihen der Geschichte emotionale Tiefe und machen sie greifbar.

Fazit: „Der Kuckucksjunge“ ist ein packender und meisterhaft konstruierter Thriller, dessen Sog man sich kaum entziehen kann. Er ist ein würdiger Nachfolger des „Kastanienmanns“ und Fans von düsteren Nordic Noir-Thrillern werden voll auf ihre Kosten kommen. Allerdings sind starke Nerven gefragt. Für mich war es mein Thriller-Highlight in 2025!