Düster und atmosphärisch – Thriller-Highlight aus Skandinavien

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Das lange Warten hat sich gelohnt! Mehr als sechs Jahre hat es gedauert, bis nun endlich der zweite gemeinsame Fall von Naia Thulin und Mark Hess erschienen ist. In „Der Kuckucksjunge“ hat Søren Sveistrup erneut einen äußerst düsteren, atmosphärischen Einstieg gewählt: In Kopenhagen verschwindet die geschiedene Mutter Silje Thomsen spurlos, die letzte Nachricht auf ihrem Handy lautet „Hab dich“. Für Kommissarin Naia Thulin ist diese Botschaft ein Alarmsignal, denn sie erinnert an einen früheren, aufsehenerregenden Mordfall. Gemeinsam mit ihrem eigenwilligen Partner Mark Hess, mit dem sie nach den Ereignisse um den „Kastanienmann“ eigentlich getrennte Wege gehen wollte, stößt sie auf eine Serie brutaler Verbrechen, die alle durch dieselben unheimlichen Nachrichten verbunden sind. Schnell wird klar, dass sie es mit einem Täter zu tun haben, der systematisch vorgeht und seinen grausamen Plan noch lange nicht vollendet hat.

Søren Sveistrup bleibt seinem Ruf als Meister des skandinavischen Thrillers treu. Sein Schreibstil ist detailliert und stark visuell geprägt, ohne sich dabei in Nebensächlichkeiten zu verlieren. Man merkt deutlich seine Erfahrung als Drehbuchautor. Die Kapitel sind kurz, oft mit Cliffhangern versehen, was ein hohes Lesetempo erzeugt und den Spannungsbogen über weite Strecken trägt. Besonders gelungen ist auch diesmal wieder die düstere, kalte Atmosphäre Kopenhagens und der umliegenden Landschaften.

Die Handlung ist komplex konstruiert und bietet einige überraschende Wendungen. Es gibt mehrere Nebenhandlungen und von Kapitel zu Kapitel immer wieder Wechsel der Erzählpersepktive, wodurch die Geschichte stellenweise sehr dicht gepackt ist, aber keineswegs überladen oder gar langatmig wird. Im Gegenteil: Ich habe die über 600 Seiten nahezu verschlungen.

Naia Thulin und Mark Hess sind überzeugend gezeichnete Figuren mit Ecken und Kanten. Ihre widerwillige Zusammenarbeit voller Höhen und Tiefen verleiht der Geschichte auch emotionalen Tiefgang. Über Hess und seinen schwierigen familiären Hintergrund, insbesondere die enge Beziehung zu seinem älteren Bruder Jon, erfahren wir diesmal etwas mehr. Dies macht ihn im Laufe der Handlung deutlich menschlicher und nahbarer.

Insgesamt ist „Der Kuckucksjunge“ ein harter, packender Thriller, den ich Fans von düsteren Nordic-Noir-Geschichten klar empfehlen kann. Für mich definitiv eines meiner Krimi-Highlights in 2025!