Mehr als Kommissar Faber - Mut zur Verletzlichkeit

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floriga77 Avatar

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In "Der Lärm des Lebens" gewährt der bekannte Schauspieler Jörg Hartmann einen ebenso persönlichen wie klugen Blick auf sein Leben zwischen Bühne, Kamera und Herkunft. Schon die Eingangsszene an der Schaubühne zeigt seinen Ton: selbstironisch, präzise beobachtend und voller Respekt vor dem Theater. Die Begegnung mit Andrea Breth wird zur Initiationsgeschichte – komisch, zart und spannungsvoll zugleich.

Hartmann schreibt mit großer Sensibilität über das Getriebensein eines jungen Schauspielers und kontrastiert es mit der existenziellen Erfahrung der Krankheit seines Vaters. Besonders die Passagen im Pflegeheim berühren: Ohne Pathos, aber mit eindringlicher Klarheit beschreibt er das langsame Verschwinden von Erinnerung und die eigene Ohnmacht. Dabei wechselt der Text mühelos zwischen humorvollen Anekdoten, philosophischen Reflexionen und stillen Momenten der Trauer.

Stilistisch überzeugt das Buch durch rhythmische, bildhafte Sprache und einen feinen Sinn für Dialoge. Hartmann urteilt nie hart, weder über sich noch über andere; stattdessen sucht er nach Verstehen. So entsteht ein vielschichtiges Porträt eines Künstlers, der im „Lärm des Lebens“ nach leisen Wahrheiten sucht – und sie in überraschender Offenheit findet.

Bei aller stilistischen Stärke und emotionalen Offenheit verlangt das Buch seinem Publikum jedoch auch eine gewisse Nähe zum Theater- und Schauspielbetrieb ab. Wer sich für diese Welt nicht besonders interessiert, könnte sich stellenweise auf Distanz fühlen. Gerade dort, wo Hartmann sehr detailliert über künstlerische Arbeit spricht, tritt das Allgemeingültige kurz hinter das Spezifische zurück.

Dennoch liegt gerade in dieser konsequenten Verankerung im Schauspielerleben die Stärke des Buches. Denn Hartmann schreibt nicht eitel oder selbstverliebt, sondern nutzt seine Erfahrungen als Brennglas für grundsätzliche Fragen. Am Ende erzählt dieses Buch weniger vom Schauspiel als vom Menschsein im Angesicht der Zeit.