Ein Inselbuch, das ganz nach meinem Geschmack zu sein scheint – Der letzte Leuchtturm

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marie-christine Avatar

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Der letzte Leuchtturm entführt auf die raue, windumtoste Insel Muckle Flugga, wo Einsamkeit und Fantasie dicht nebeneinander wohnen. Die Geschichte um den jungen Ouse, der nach dem Tod seiner Mutter zwischen einem hartherzigen Vater und seiner eigenen sensiblen, künstlerischen Seele gefangen ist, klingt zugleich poetisch und melancholisch. Besonders reizvoll erscheint die Idee, dass ausgerechnet der Geist von Robert Louis Stevenson Ouses Gesprächspartner und Vertrauter ist – eine wunderbar literarische Note, die Realität und Imagination verschwimmen lässt.

Die karge Inselwelt der Shetlands bildet dabei mehr als nur eine Kulisse: Sie scheint Spiegel von Ouses innerem Zustand zu sein – abgeschieden, sturmumtost, aber von eigentümlicher Schönheit. Mit Firth, dem schwermütigen Autor aus Edinburgh, tritt eine Figur auf, die Veränderung verspricht. Das entstehende Spannungsfeld zwischen Vater, Sohn und dem Fremden weckt die Frage, ob Befreiung immer gleichbedeutend mit Abschied sein muss.

Mich spricht besonders die leise, atmosphärische Erzählweise an, die hier anklingt: ein Roman über Kunst, Verlust, Freundschaft und die schwierige Entscheidung zwischen Herkunft und Aufbruch. Ein Inselbuch, das nach salziger Luft, Wolle und Sehnsucht klingt – und das ganz danach aussieht, als würde es lange nachhallen.