Emotionale Kraft

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noiram Avatar

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Schon nach den ersten Seiten dieser Leseprobe war ich von der ganz besonderen Atmosphäre gefangen. Die Geschichte beginnt auf der Insel Fidra, und man spürt förmlich den Wind und das Salz der schottischen Küste. Im Mittelpunkt steht Ouse, der sich um eine verletzte Eiderente kümmert, die er liebevoll RLS nennt – nach Robert Louis Stevenson, dessen Familie ja tatsächlich Leuchttürme baute. Das verleiht der Erzählung sofort einen schönen, leicht melancholischen Tiefgang.
​Der Schreibstil von Michael Pedersen hat mich positiv überrascht. Er ist einerseits sehr feinfühlig und fast schon poetisch, wenn er die Natur oder die Bindung zwischen Ouse und dem Tier beschreibt. Andererseits gibt es diese sehr bodenständigen, fast rauen Momente, besonders in den Dialogen mit seinem Vater. Man merkt sofort, dass die Beziehung zwischen den beiden angespannt ist und der Vater wenig Verständnis für Ouses „Zeitverplemperung“ hat.
​Besonders gut hat mir gefallen, wie der Autor das Thema Einsamkeit und Fürsorge verknüpft. Ouse wirkt wie jemand, der seinen Platz in der Welt noch sucht, aber in der Pflege der Ente eine tiefe Erfüllung findet. Die Beschreibungen des Leuchtturms und der rauen Umgebung sind so bildhaft, dass man sich alles genau vorstellen kann.
​Es ist ein ruhiger Text, der aber eine große emotionale Kraft besitzt. Ich bin sehr gespannt, wie sich die Geschichte auf dieser abgeschiedenen Insel weiterentwickelt und ob Ouse seinen eigenen Weg gegen die Erwartungen seines Vaters finden wird. Für mich war diese Leseprobe ein kleiner literarischer Lichtblick.