Außergewöhnliche Geschichte, stimmungsvoll

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cara_lea Avatar

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Nachdem ich „Der letzte Leuchtturm“ gelesen habe, bin ich ein bisschen hin und hergerissen. Einerseits hat mich das Buch wirklich beeindruckt, vor allem sprachlich, andererseits musste ich mich stellenweise auch ziemlich durchkämpfen.

Die Geschichte spielt auf der abgelegenen Insel Muckle Flugga, wo ein Vater und sein Sohn Ouse nach einem Verlust sehr zurückgezogen leben. Die Beziehung zwischen den beiden fand ich von Anfang an angespannt und irgendwie traurig. Sie reden kaum miteinander, vieles bleibt unausgesprochen. Ouse ist dabei eine Figur, die mir schnell nahegegangen ist. Er ist sensibel, kreativ und lebt ein Stück weit in seiner eigenen Welt, unter anderem durch seine gedanklichen Gespräche mit Robert Louis Stevenson.

Als dann Firth auf die Insel kommt, verändert sich die Situation spürbar. Ich mochte diese neue Dynamik sehr, weil sie Ouse aus seiner Isolation ein Stück weit herausholt. Gleichzeitig bringt Firth seine eigenen Probleme mit, was die Stimmung eher leise und nachdenklich hält.

Was mir besonders im Kopf geblieben ist, ist die Sprache. Viele Sätze sind wirklich schön formuliert und die Naturbeschreibungen haben bei mir sofort Bilder entstehen lassen. Man merkt einfach, dass hier sehr viel Wert auf jedes Detail gelegt wurde. Gleichzeitig war genau das für mich manchmal auch anstrengend. Gerade am Anfang hatte ich das Gefühl, dass die Geschichte kaum vorankommt und ich mich erst an den Stil gewöhnen muss.

Erst im späteren Verlauf hat mich das Buch dann mehr gepackt, vor allem emotional. Da wurde es für mich greifbarer und auch berührender.

Insgesamt ist es für mich ein ruhiger, eher anspruchsvoller Roman, der nicht für jeden passt. Wer eine spannende Handlung erwartet, könnte enttäuscht sein. Wer sich aber auf eine dichte Atmosphäre und eine besondere Sprache einlassen kann, wird hier auf jeden Fall einiges finden. Für mich war es am Ende ein gutes Buch, das mir vor allem wegen seiner Stimmung im Gedächtnis bleiben wird.