Die raue Seite Schottlands

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In seinem ersten Roman erzählt der Autor Michael Pedersen die Geschichte eines Jungen namens Ouse. Dieser wächst allein mit seinem Vater, mehr oder weniger isoliert von der Außenwelt, auf der nördlichsten Insel Shetlands, Muckle Flugga, auf. Der Vater, welcher nach dem unerwarteten und tragischen Tod der Mutter zunehmend verbitterter wird, ist der letzte Leuchtturmwärter auf dieser Insel und hat sich zum Ziel gemacht, seinen Sohn mit aller Härte zu seinem Nachfolger zu erziehen. Doch der junge Ouse hat andere Talente. Er liest gern, ist künstlerisch begabt und kann sich vor allem im Stricken und anderen Handarbeiten ausleben. Beistand leisten ihm nur eine ältere Dame namens Figgie, welche Vater und Sohn vom Festland aus regelmäßig mit Vorräten und Alltagsgegenständen versorgt und Ouses imaginärer Freund Robert Louis Stevenson. Doch all das ändert sich, als der junge Firth aus Edinburgh zu Besuch auf der Insel erscheint, das ungenutzte Talent von Ouse erkennt und alles darauf setzt, dieses zu fördern und Ouse aus seiner Situation zu befreien.
Mit seinem Roman „Der letzte Leuchtturm“ zeichnet Michael Pedersen das Bild einer wunderschönen kleinen Insel, umgeben vom tosenden Meer und trotzdem liebens- und lebenswert in all ihrer Schönheit. Der Gegensatz zwischen dieser Schönheit von Natur und Idylle und der gleichzeitigen ständigen Gefahr von rauen Stürmen und Isoliertheit, lässt die/den Lesenden wunderbar in diese Welt eintauchen. Man entwickelt auf der einen Seite Fernweh, eine Sehnsucht diesen magischen Ort zu bereisen und zu erkunden. Gleichzeitig kann man sich ein Leben dort für sich selbst jedoch nicht vorstellen, da die Bedingungen sehr hart und kalt sind. Und genau dieser Zwiespalt spiegelt sich auch in Ouse, dem Hauptcharakter der Geschichte wider.
Der junge Ouse wirkt durch und durch authentisch und man schließt ihn sofort ins Herz. Seine zarte und sensible Persönlichkeit steht dabei im kompletten Gegensatz zur Rauheit und Kälte des Vaters. Doch auch dieser besitzt in all seiner Verschlossenheit einen weichen Kern. Diesen kann er jedoch nur sehr selten zeigen. Doch sein Sohn kennt diese Seite noch von früher und kann sich in den seltenen, schönen Momenten mit seinem Vater daran erinnern. Die Figur des Vaters, auf dem ersten Blick unsympathisch, ist jedoch nie über den Verlust von Ouses Mutter hinweggekommen und hat sich dazu entschlossen sein Innerstes vor der Außenwelt zu verbergen und seiner Umgebung mit aller Härte zu begegnen. Ein an der Liebe und dem Leben gescheiterter Mann, welcher eigentlich auch nur das Beste für seinen Sohn möchte, ihm jedoch die Angst davor im Wege steht, damit auch noch das Letzte zu verlieren, das er liebt.
Den Gegenpol dazu bildet der junge Firth aus Edinburgh. Ebenfalls ein mehr oder weniger in seinem Leben gescheiterter und dessen überdrüssiger Mann, welcher den Ausweg im Tod sucht und seinem Leben damit ein Ende bereiten möchte. Er rafft sich jedoch auf und möchte eine letzte Reise unternehmen und diese führt in nach Muckle Flugga. Dort lernt er Ouse kennen, entdeckt sein Potential und versucht ihn mit allen Kräften aus seiner Situation zu befreien. Die Wege und Mittel, welche er dafür einsetzt, machen ihn jedoch auf eine Weise unsympathisch, so dass man ein unbestimmbares, negatives Bauchgefühl entwickelt. Auch seine Absichten, lassen eher darauf schließen, dass er den jungen Ouse eigentlich nur retten möchte, um sich selbst wieder einen Sinn im Leben zu verschaffen. Dies lässt den Charakter etwas zweifelhaft erscheinen und es behaftet ihn eine gewisse negative Schwingung an.
Insgesamt eine sehr packende Handlung und man fiebert mit, ob es gelingt Ouse von der Insel und seinen Ketten zu befreien. Dies wird durch den ausgewogenen Schreibstil unterstützt, so dass es eine sehr kurzweilige Lektüre ist. Vor allem die Einblicke ins Ouses Gedankenwelt, welche oft durch seine Gespräche mit dem imaginären Robert Louis Stevenson im Buch Anklang finden, lassen eine große Sympathie für Ouse aufkeimen. Man wünscht diesem Jungen alles erdenklich Gute und hofft, dass er sein Leben so leben kann, wie er es sich vorstellt und wünscht und dabei sein volles Potential ausschöpfen kann.
Alles in allem ein empfehlenswertes Buch, nicht nur Leuchtturmliebhaber oder Schottlandfans. Allein des Covers wegen, ein absolutes Schmuckstück im Bücherregal. Es zeigt auf, dass auch unter stürmischen Umständen eine zerbrechliche Schönheit entstehen kann. Ein stürmisches Paradies…