Ein Leuchtturm, drei Exzentriker - und ein verstorbener Schriftsteller

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Das Äußere
Mit farbig bedrucktem Buchdeckel, Lesebändchen, dunkelblauem Vorsatzpapier, Landkarte der Insel im hinteren Buchdeckel und metallicblauem Umschlag- und Rückentitel ist „Der letzte Leuchtturm“ ein elegantes, zum Schauplatz passendes Buch.

Inhalt
Ouse und sein Vater versehen auf der Shetlandinsel Muckle Flugga nördlich von Unst den Leuchtturmwärterdienst. Früher einmal lebten und arbeiteten hier drei Leuchtturmwärter mit ihren Familien. Nach dem Tod von Ouses Mutter sind nur noch Vater und Sohn geblieben. Dass ein Mann und ein Jugendlicher als Besetzung des legendären Turms zu wenig sind, davor verschließen alle Beteiligten bisher die Augen. Allein die Ladeninhaberin und Posthalterin Figgie fühlt sich als guter Geist für die beiden Hagestolze verantwortlich und streckt ihre Warenlieferung, um öfter als nötig auf der Insel vorbeizuschauen. Der schwermütige Vater ist für den Turm zuständig, Ouse, der die Schule beendet hat, kocht, fischt, birgt Strandgut, liest und verdient einen ansehnlichen Betrag mit Pullover-Entwürfen von Einzelstücken, die eine Zwischenhändlerin für ihn auf dem Festland verkauft. Da das Geld trotzdem stets knapp ist, vermietet „der Vater“ im Sommer eine Stube des Turms an einen Besucher. Mit den Birdern, die von der Insel aus Vögel beobachten, war der Leuchtturmwärter bisher zurechtgekommen. Ornithologen sind bescheiden und zahlen zuverlässig. In diesem Jahr taucht jedoch der alterslos wirkende junge Schriftsteller Firth auf, mit dem der Vater sich in einen erbitterten Konkurrenzkampf um Ouse verstrickt. Immerhin ist Firth in der Gegend so bekannt, dass er auf der Fähre als Autor erkannt wird. Der Mann aus Edinburgh, der sich eigentlich das Leben nehmen wollte, nimmt Ouses Ausnahmetalent als Textilkünstler wahr und will ihn zwingend zu einem Studium an Land überreden. Ein Fremder, der sich nach „Vaters“ Ansicht wie ein Papagei kleidet, trifft auf einen fast Gleichaltrigen mit Liebe zur Textilkunst und zu Glitzergarnen …

Ouse kann sich nicht wirklich vorstellen, die Insel zu verlassen. Sogar Figgie war vom Studium in der Stadt auf ihre Heimatinsel zurückgekehrt, um ihrem Vater im Laden zu helfen. Ouse will nicht schuld an der Kränkung sein, die seinem Vater bevorsteht, sollte die Konstruktion herauskommen, dass der Leuchtturm offiziell von drei Personen betrieben wird. Letzlich könnte man sich fragen, ob Ouse wirklich Kontakt zu Gleichaltrigen und anderen Künstlern braucht, wenn sein ungewöhnliches Talent allein aus ihm und seiner Umgebung gewachsen ist.

Das Setting eines Fremden, der als Urlauber in die Gemeinschaft einer kleinen Insel eindringt, erinnert an Audrey Magees „Die Kolonie“. „Der letzte Leuchtturm“ unterscheidet sich davon jedoch durch die Vielfalt der Tonlagen. Die Erzählstimme klingt leicht altmodisch, der alte Leuchtturmwärter spricht schottische Mundart, vielleicht stärker abgeschliffen als auf dem Festland. Ouse hat als imaginären Gefährten und Mentor RLS (Robert Louis Stevenson) gewählt, mit dem er füßebaumelnd über Gott und die Welt debattiert. All diesen Stimmen, Legenden, Träumen und Alpträumen gibt Stephan Kleiner einen individuellen Klang mit origineller Wortwahl zwischen dem leicht angestaubten „spillerig“ bis zu „krassen“ Ausbrüchen der jüngeren Generation. Ein Übersetzer, dessen Name einen Platz auf dem Buchcover verdient hätte.

Fazit
Ein idyllisches Fleckchen, von dem aus es nur den Kurs Süd zu geben scheint, Stürme, Schiffbrüche, ein verstorbener Dichter und drei Exzentriker an einem Tisch – für Insel-Fans könnte der stimmungsvolle Roman ein Jahres-Highlight werden.