Ein wunderbares Stück Literatur

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lizzycurse Avatar

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💔 Was für ein großartiges Stück Literatur. Schäumend wie die wilde See und zart wie ein Straußenkücken, voller poetischer Wortgebilde, und doch niemals überfrachtet. Ich war angekommen auf Muckle Flugga. 💔

„Auf der Insel Muckle Flugga steht einer der beeindruckendsten Leuchttürme dieses oder sonst irgendeines Planeten. Seine ungestüme Perle aus Licht vermag Schiffe - und die Menschen darauf - ungeachtet von Sturm, Wind und Hagel in die Sicherheit zu geleiten. (…)“

„Der letzte Leuchtturm“ lebt und atmet durch zwei Dinge. Zum einen der rauen Schönheit der Insel, zum anderen den Protagonisten, die auf der Insel leben, sei es nur vorübergehend oder dauerhaft. Und natürlich vom allgegenwärtigen Meer, welches das Leben aller bestimmt.

Es ist eine Geschichte über Lebensabschnitte, über der Frage, ob Glück wirklich gleichbedeutend mit der Aufgabe ist, die schon Generationen verrichtet haben und ob man nicht seinem eigenen Schicksal folgen sollte. Ob man für andere lebt oder für sich selbst. Diese Fragen bewegen mich und rühren in mir.

Firth, ein junger Autor, will nicht mehr leben, er will einfach, dass alles endet. Doch zuvor will er noch den Worten seines Großvaters folgen und von Edinburgh auf die Shettlands reisen, um die Schönheit Muckle Fluggas zu bestaunen. Ouse ist der Sohn des verschlossenen Leuchtturmwärters, der irgendwann den Dienst an den Schiffen und Menschen von seinem Vater übernehmen soll - er lernt das Handwerk. Sein Vater gestattet ihm ein Zubrot - die Kunst. Er zeichnet, entwirft Strickmuster und verkauft die Ware auf den Märkten - und findet darin seine eigentliche Erfüllung. Als Firth und Ouse aufeinandertreffen, ist es für mich vergleichbar mit einer Naturgewalt. Sie sind zwei vollkommen konträre Persönlichkeiten. Firth mit seinem Dandygehabe und seiner Art, andere für sich einzunehmen, als Schutzschild, um seine eigentliche Persönlichkeit zu verstecken. Ouse, der es vor allem seinem Vater, der sich nach dem Tod seiner Mutter verändert hat, recht machen, keine Gewalt, physischer oder psychischer Natur provozieren möchte, aber doch so ganz anders ist, wenn sein Vater durch Abwesenheit glänzt. Firth erkennt schnell, dass sein Talent auf der Insel vergeudet wäre. Ouse muss eine Entscheidung treffen - und diese Entscheidungsfindung war so spannend für mich wie ein Krimi! Ich bin so gerne in die tiefgründige Mikrosoziologie der kleinen Insel eingetaucht. Der Roman fußt nicht auf Action und rasantem Tempo, eher auf den unterschiedlichen Perspektiven und Monologen der einzelnen Figuren - was für mich fabelhaft funktioniert hat. Mit der verbalen Auseinandersetzung keimte auch die Frage nach der Heimat und nach dem Ende von Lebensabschnitten auf.

Getragen wie auf einem monumentalen Podest wird der Roman durch seine poetische Sprache. Ich habe in jeder einzelnen Zeile gespürt, dass Michael Pedersen aus der Lyrik stammt, der Stil war außergewöhnlich, staunenswert und trotzdem passend für die Geschichte und für das stürmische Meer. Ich habe mich geärgert, dass ich keine Post It’s zur Hand hatte. Jede Zeile hätte einen Marker verdient.

Durch Pedersens Stil schimmert immer wieder der fantastische Realismus hindurch, sei es durch Ouse‘ besten imaginärem Freund, durch Träume, die in die Realität greifen oder durch blitzende Nächte im Leuchtturm.

Was für ein großartiges, eigenwilliges, stürmisches Stück Literatur. Ich habe jede Zeile geliebt. Für mich ein Highlight.

Großartig und feinfühlig übersetzt von Stephan Kleiner.