Kammerspiel auf hoher See
Auf der nordschottischen Insel Muckle Flugga lebt der 19-jährige Ouse mit seinem Vater, dem Leuchtturmwärter, ein geregeltes Leben. Tagein, tagaus geht es für die beiden einzigen Inselbewohner darum, den vorbeifahrenden Schiffen ein verlässlicher Kompass zu sein. Der Vater sieht Ouse bereits als seinen legitimen Nachfolger, doch der Junge widmet sich lieber den schönen Künsten. Als der Schriftsteller Firth nach einem Suizidversuch die Insel betritt, um sich dort eine Auszeit zu nehmen und Basstölpel zu beobachten, nimmt das Leben nicht nur für Ouse eine folgenreiche Wendung...
"Der letzte Leuchtturm" ist der Debütroman von Michael Pedersen, der in der deutschen Übersetzung von Stephan Kleiner bei Dumont erschienen ist. Im Original heißt das Buch wie die Insel "Muckle Flugga", was grundsätzlich auch im Deutschen besser gepasst hätte, denn es wird nicht klar, warum es sich bei dem Leuchtturm um den "letzten" handelt. Klar hingegen ist, dass die Übersetzung von Stephan Kleiner ein wahrer Kraftakt gewesen sein muss, denn "Der letzte Leuchtturm" strotzt nur so vor überbordender Poesie, eigenwilligen Begriffen und einem ausufernden Dialekt der Vaterfigur.
So ist dann auch die Sprache gleichermaßen Vor- und Nachteil dieses ungewöhnlichen Romans. Anfangs war ich von ihr wirklich begeistert. Die Beschreibungen von Mensch und Natur sind so bildhaft wie exzentrisch, die Dialoge zwischen Ouse und Firth gleichen einem poetischen Ping-Pong-Spiel auf Augenhöhe. Der Dialekt des Vaters ist da schon schwieriger zu verdauen, doch wie soll man solche Passagen gleichwertig in andere Sprachen übersetzen? Problematisch ist eher, dass die Wirkung der Sprache irgendwann verpufft beziehungsweise sogar störend wirkt. Nahezu jede kleinste Handlung wirkt dramatisch aufgeladen, jedes Detail wird so bildhaft beschrieben, dass ich zeitweise das Gefühl bekam, ein Drehbuch oder Theaterstück und keinen Roman zu lesen.
Rein inhaltlich gleicht "Der letzte Leuchtturm" einem Kammerspiel auf hoher See. Neben den drei Protagonisten gibt es mit der Postbotin Figgie zwar noch eine zentrale Nebenfigur, doch der Großteil der Handlung spielt sich zwischen Firth, Ouse und dem namenlosen Leuchtturmwärter ab. Wobei auf der Handlungsebene ohnehin nicht allzu viel passiert. Vielmehr setzt Michael Pedersen neben der Sprache auf die Innenschau der Figuren und das homoerotisch im wahrsten Sinne des Wortes knisternde Verhältnis zwischen Ouse und Firth.
Gelungen ist die Ambivalenz der Figuren. Mit Ausnahme von Ouse, der durchgehend eine große Güte ausstrahlt, haben alle anderen Charaktere ihre Grautöne. Wobei es schwer ist, die guten Seiten des Vaters zu suchen, sie werden oftmals nur behauptet.
Ein zentrales Thema des Buches ist die Beobachtung. Die Figuren beobachten nicht nur die Natur und das Meer, sondern sie beobachten sich vor allem untereinander. Dabei konkurrieren Firth und der Leuchtturmwärter nicht nur um die Gunste Ouses, sondern planen auch dessen Zukunft über seinen Kopf hinweg. Während der Vater ihn als Nachfolger ausbilden möchte, sieht Firth eine gemeinsame Zukunft für sich und Ouse in Edinburgh.
Gegen Ende des Buches wird es immer schwieriger, Sympathien für die Charaktere und die Sprache aufzubringen. Während letztere weiterhin alles überdramatisiert, begehen die Figuren einen moralisch schwerwiegenden Verrat, der mich unbefriedigt zurückließ.
Insgesamt ist "Der letzte Leuchtturm" ein Debütroman, der sprachlich sehr viel will und dabei in der ersten Hälfte durchaus mit pointierten Dialogen und wunderschönen Naturbeschreibungen überzeugt. Doch irgendwann nutzt sich diese ab, was mich in Verbindung mit der Figurenentwicklung und der äußerst langsamen Handlung nur teilweise abholen konnte.
"Der letzte Leuchtturm" ist der Debütroman von Michael Pedersen, der in der deutschen Übersetzung von Stephan Kleiner bei Dumont erschienen ist. Im Original heißt das Buch wie die Insel "Muckle Flugga", was grundsätzlich auch im Deutschen besser gepasst hätte, denn es wird nicht klar, warum es sich bei dem Leuchtturm um den "letzten" handelt. Klar hingegen ist, dass die Übersetzung von Stephan Kleiner ein wahrer Kraftakt gewesen sein muss, denn "Der letzte Leuchtturm" strotzt nur so vor überbordender Poesie, eigenwilligen Begriffen und einem ausufernden Dialekt der Vaterfigur.
So ist dann auch die Sprache gleichermaßen Vor- und Nachteil dieses ungewöhnlichen Romans. Anfangs war ich von ihr wirklich begeistert. Die Beschreibungen von Mensch und Natur sind so bildhaft wie exzentrisch, die Dialoge zwischen Ouse und Firth gleichen einem poetischen Ping-Pong-Spiel auf Augenhöhe. Der Dialekt des Vaters ist da schon schwieriger zu verdauen, doch wie soll man solche Passagen gleichwertig in andere Sprachen übersetzen? Problematisch ist eher, dass die Wirkung der Sprache irgendwann verpufft beziehungsweise sogar störend wirkt. Nahezu jede kleinste Handlung wirkt dramatisch aufgeladen, jedes Detail wird so bildhaft beschrieben, dass ich zeitweise das Gefühl bekam, ein Drehbuch oder Theaterstück und keinen Roman zu lesen.
Rein inhaltlich gleicht "Der letzte Leuchtturm" einem Kammerspiel auf hoher See. Neben den drei Protagonisten gibt es mit der Postbotin Figgie zwar noch eine zentrale Nebenfigur, doch der Großteil der Handlung spielt sich zwischen Firth, Ouse und dem namenlosen Leuchtturmwärter ab. Wobei auf der Handlungsebene ohnehin nicht allzu viel passiert. Vielmehr setzt Michael Pedersen neben der Sprache auf die Innenschau der Figuren und das homoerotisch im wahrsten Sinne des Wortes knisternde Verhältnis zwischen Ouse und Firth.
Gelungen ist die Ambivalenz der Figuren. Mit Ausnahme von Ouse, der durchgehend eine große Güte ausstrahlt, haben alle anderen Charaktere ihre Grautöne. Wobei es schwer ist, die guten Seiten des Vaters zu suchen, sie werden oftmals nur behauptet.
Ein zentrales Thema des Buches ist die Beobachtung. Die Figuren beobachten nicht nur die Natur und das Meer, sondern sie beobachten sich vor allem untereinander. Dabei konkurrieren Firth und der Leuchtturmwärter nicht nur um die Gunste Ouses, sondern planen auch dessen Zukunft über seinen Kopf hinweg. Während der Vater ihn als Nachfolger ausbilden möchte, sieht Firth eine gemeinsame Zukunft für sich und Ouse in Edinburgh.
Gegen Ende des Buches wird es immer schwieriger, Sympathien für die Charaktere und die Sprache aufzubringen. Während letztere weiterhin alles überdramatisiert, begehen die Figuren einen moralisch schwerwiegenden Verrat, der mich unbefriedigt zurückließ.
Insgesamt ist "Der letzte Leuchtturm" ein Debütroman, der sprachlich sehr viel will und dabei in der ersten Hälfte durchaus mit pointierten Dialogen und wunderschönen Naturbeschreibungen überzeugt. Doch irgendwann nutzt sich diese ab, was mich in Verbindung mit der Figurenentwicklung und der äußerst langsamen Handlung nur teilweise abholen konnte.