Kargkeit

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jana_f.s. Avatar

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Michael Pedersens Debüt 'Der letzte Leuchtturm' führt auf die Lesenden abgelegene und ansonsten menschenleere Shetlandinsel Muckle Flugga, wo der junge Ouse mit seinem verschlossenen, oft harten Vater den Leuchtturm betreibt. Seit dem Tod der Mutter lebt Ouse zwischen Pflichtgefühl und dem Wunsch nach einem anderen Leben. Als der lebensmüde Schriftsteller Firth auf die Insel kommt, geraten die festgefahrenen Verhältnisse ins Wanken: Zwischen den beiden entsteht eine intensive, beinahe explosive Begegnung, die Ouse zwingt, sich zu entscheiden, wer er sein will.

Der Roman lebt weniger von Handlung als von Atmosphäre. Das Meer, der Wind und die karge Insel sind allgegenwärtig und prägen die Figuren fast ebenso stark wie ihre eigenen Konflikte. Immer wieder geht es um Fragen nach Selbstbestimmung, Herkunft und dem Mut, sich von vorgegebenen Lebenswegen zu lösen.

Besonders ist dabei Pedersens Sprache: Sie ist ungewöhnlich bildhaft, teilweise fast rauschhaft poetisch und voller Metaphern. Das fasziniert und zieht die Person hinter dem Buch tief in diese eigenwillige Welt hinein. Insgesamt ist 'Der letzte Leuchtturm' ein ruhiger, intensiver Roman, der eher nachklingt, als dass er akut mitreißt. Wer sich auf die dichte Sprache und die leisen, inneren Konflikte einlässt, wird mit einer besonderen, fast schon hypnotischen Lektüre belohnt!