Liebe und Freiheit, oder irrationaler Egoismus?
Der Plot dieses Romans ist tatsächlich ziemlich überschaubar und lässt sich sehr leicht zusammenfassen:
Der Autor Firth lebt einige Zeit, nach einem abgebrochenen Suizidversuch, auf der Leuchtturm-Insel Muckle Flugga als Gast und verliebt sich in den einige Jahre jüngeren Ouse. Firth empfindet Ouses Potenzial auf der Insel als vergeudet, da dieser seine Kreativität vermeintlich nicht in vollem Umfang ausleben kann. Firth wirkt auf Ouse ein, gemeinsam die Insel zu verlassen und sich in Edinburh voll zu entfalten. Vermeintlicher Gegenspieler von Firth, ist Ouses Vater, der die Tätigkeit als Leuchtturmwärter als Lebensinhalt sieht.
Da mehrere Rezensenten das erwähnen und da Michael Pedersen Poet Laureate von Edinburgh ist: sprachliche Finesse und Spielereien konnte ich (leider) nicht groß feststellen. Der Roman hat sich für mich völlig normal (stellenweise leider abstoßend, Beispiele - Fürze, Trinken von Urin, das Erbrechen von Austern) gelesen; wer wirkliche Sprachgewalt erleben will, der möge zu "Der Zauberberg" von Thomas Mann, "Blood Meridian" von Cormac McCarthy, "Gravity's Rainbow" von Thomas Pynchon, "Ulysses" von James Joyce usw. usf. greifen.
Auch in Hinsicht auf den Titel des "Poet Laureate" kann ich nicht wohlwollend reagieren - man vergleiche Pedersens Sprachbeherrschung beispielsweise mit der von Alfred Lord Tennyson.
Die eigens erwähnte Einbindung des Geistes von Robert Louis Stevenson war letztendlich nicht mehr, als ein ausgebauter innerer Monolg und daher für mich auch nicht weiter erwähnenswert.
Was mich wirklich genuin an diesem Roman gestört hat, war zweierlei.
1. Firth war mit seinem Leben in Edinburgh so unzufrieden, dass er sein Leben beenden wollte und den Versuch dazu nur aufgrund eines "Zeichens" (Atheist ist er dennoch) abbrechen wollte.
Dennoch beharrt er darauf, dass Ouse, obwohl dieser das nicht so empfindet, dermaßen unglücklich und eingeschränkt auf Muckle Flugga leben müsse, dass er doch stattdessen nach Edinburgh ziehen solle.
Logik, bitte?
Ouse ist nicht unglücklich auf Muckle Flugga, Firth wird auf Muckle Flugga erst wieder glücklich und lebensfroh, aber hey, zurück nach Edinburgh, wo er sich am liebsten umbringen wollte.
Firth reißt Ouse mit unglaublichen Mitteln fort aus seiner vertrauten und geliebten Umgebung, ruiniert somit gleichzeitig den Lebensinhalt von Ouses Vater und das soll dann positiv und romantisch sein? Sorry, klappt für mich nicht.
Zum wirklich unfassbaren moralischen Fehlverhalten von Firth will ich mich nicht weiter äußern, da dies einen starken Spoiler bedeuten würde. Nur so viel: Firth ist für mich kein guter Protagonist.
2. Diese Art von Geschichten romantisieren den Aufbruch ins Unbekannte, ohne jemals die Realität des neu gewählten Lebens zu thematisieren. Von der noch nicht einmal begonnenen Beziehung der beiden zueinander, bis hin zum Lebensgefühl, der neuen Arbeit, der ungewohnten Umgebung usw., nichts wird aufgezeigt. Die enorme Fallhöhe einer solchen Unternehmung bleibt pur ein Schreckgespenst in den Köpfen kritischer Leser wie mir.
Somit wirkt eine Erzählung, wie sie in "Der letzte Leuchtturm" präsentiert wird, auf mich immer nur wie ein Auftakt zur eigentlichen Geschichte, ein Prolog, der nie weitergeschrieben wird. Und was bleibt, ist, wie so oft, eine romantisierte Idee, deren wirkliche Ausführung der Autor uns schuldig bleibt.
Der Autor Firth lebt einige Zeit, nach einem abgebrochenen Suizidversuch, auf der Leuchtturm-Insel Muckle Flugga als Gast und verliebt sich in den einige Jahre jüngeren Ouse. Firth empfindet Ouses Potenzial auf der Insel als vergeudet, da dieser seine Kreativität vermeintlich nicht in vollem Umfang ausleben kann. Firth wirkt auf Ouse ein, gemeinsam die Insel zu verlassen und sich in Edinburh voll zu entfalten. Vermeintlicher Gegenspieler von Firth, ist Ouses Vater, der die Tätigkeit als Leuchtturmwärter als Lebensinhalt sieht.
Da mehrere Rezensenten das erwähnen und da Michael Pedersen Poet Laureate von Edinburgh ist: sprachliche Finesse und Spielereien konnte ich (leider) nicht groß feststellen. Der Roman hat sich für mich völlig normal (stellenweise leider abstoßend, Beispiele - Fürze, Trinken von Urin, das Erbrechen von Austern) gelesen; wer wirkliche Sprachgewalt erleben will, der möge zu "Der Zauberberg" von Thomas Mann, "Blood Meridian" von Cormac McCarthy, "Gravity's Rainbow" von Thomas Pynchon, "Ulysses" von James Joyce usw. usf. greifen.
Auch in Hinsicht auf den Titel des "Poet Laureate" kann ich nicht wohlwollend reagieren - man vergleiche Pedersens Sprachbeherrschung beispielsweise mit der von Alfred Lord Tennyson.
Die eigens erwähnte Einbindung des Geistes von Robert Louis Stevenson war letztendlich nicht mehr, als ein ausgebauter innerer Monolg und daher für mich auch nicht weiter erwähnenswert.
Was mich wirklich genuin an diesem Roman gestört hat, war zweierlei.
1. Firth war mit seinem Leben in Edinburgh so unzufrieden, dass er sein Leben beenden wollte und den Versuch dazu nur aufgrund eines "Zeichens" (Atheist ist er dennoch) abbrechen wollte.
Dennoch beharrt er darauf, dass Ouse, obwohl dieser das nicht so empfindet, dermaßen unglücklich und eingeschränkt auf Muckle Flugga leben müsse, dass er doch stattdessen nach Edinburgh ziehen solle.
Logik, bitte?
Ouse ist nicht unglücklich auf Muckle Flugga, Firth wird auf Muckle Flugga erst wieder glücklich und lebensfroh, aber hey, zurück nach Edinburgh, wo er sich am liebsten umbringen wollte.
Firth reißt Ouse mit unglaublichen Mitteln fort aus seiner vertrauten und geliebten Umgebung, ruiniert somit gleichzeitig den Lebensinhalt von Ouses Vater und das soll dann positiv und romantisch sein? Sorry, klappt für mich nicht.
Zum wirklich unfassbaren moralischen Fehlverhalten von Firth will ich mich nicht weiter äußern, da dies einen starken Spoiler bedeuten würde. Nur so viel: Firth ist für mich kein guter Protagonist.
2. Diese Art von Geschichten romantisieren den Aufbruch ins Unbekannte, ohne jemals die Realität des neu gewählten Lebens zu thematisieren. Von der noch nicht einmal begonnenen Beziehung der beiden zueinander, bis hin zum Lebensgefühl, der neuen Arbeit, der ungewohnten Umgebung usw., nichts wird aufgezeigt. Die enorme Fallhöhe einer solchen Unternehmung bleibt pur ein Schreckgespenst in den Köpfen kritischer Leser wie mir.
Somit wirkt eine Erzählung, wie sie in "Der letzte Leuchtturm" präsentiert wird, auf mich immer nur wie ein Auftakt zur eigentlichen Geschichte, ein Prolog, der nie weitergeschrieben wird. Und was bleibt, ist, wie so oft, eine romantisierte Idee, deren wirkliche Ausführung der Autor uns schuldig bleibt.